13.07.2026
Nicaragua: Behörden nehmen betagten Bischof fest
ICC-Nachrichten und Berichte - Ein betagter Bischof, der einen Herzschrittmacher trägt und den Krebs überwunden hat, wurde am 29. und 30. Juni in Estelí, Nicaragua, kurzzeitig willkürlich festgehalten.
Bischof Juan Abelardo Mata Guevara ist emeritierter Bischof der Diözese Estelí. Der Bischof trat 2020 in den Ruhestand und war in letzter Zeit nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten.
Dennoch nahm Mata Guevara eine Einladung an, am Abend des 28. Juni in der Kirche „La Cruz del Calvario“ eine Messe zu feiern. Während des Gottesdienstes ging er in seinen Gebeten auf die religiöse Verfolgung in Nicaragua ein und erwähnte dabei aktuelle Fälle prominenter religiöser Führer, die ins Exil gezwungen wurden oder unter Hausarrest stehen.
Es wird vermutet, dass diese Äußerungen von Spionen in den Kirchen gemeldet wurden, die Predigten und Gebete aufzeichneten und sie der Nationalpolizei meldeten.
Mata Guevara wurde laut einem Bericht der in Großbritannien ansässigen Organisation „Christian Solidarity Worldwide“ (CSW) am Nachmittag des 29. Juni erstmals von der Nationalpolizei festgenommen. Er wurde von Estelí in das Hochsicherheitsgefängnis El Chipote in Managua überführt.
Die Behörden ließen ihn am selben Abend um 18:45 Uhr frei, nahmen ihn jedoch am nächsten Morgen erneut fest und hielten ihn bis 16:00 Uhr fest.
Laut dem „National Catholic Reporter“ räumte das Innenministerium des Landes zwar ein, dass Mata festgenommen worden war, erklärte jedoch in einer Stellungnahme vom 4. Juli, er sei „in sein Zuhause zurückgekehrt, wo er sich in bester Verfassung befindet“. In der Erklärung des Ministeriums wurde vage behauptet, Bischof Matas Rede habe gegen nationales Recht verstoßen.
Seit seiner Freilassung ist die Nationalpolizei vor dem Haus von Mata Guevara präsent. Es bestehen Befürchtungen, dass er einer 24-Stunden-Überwachung und Bewegungsbeschränkungen unterworfen wird, wie es die Behörden bereits in anderen Fällen getan haben.
CSW hat allein im letzten Monat 12 Fälle willkürlicher Festnahmen von protestantischen und römisch-katholischen Kirchenführern in Nicaragua dokumentiert.
Nicaragua belegt Platz 32 auf der „World Watch List 2026“ von Open Doors, einer Liste der 50 Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Dem Bericht zufolge gelten Christen im Land als „destabilisierende Kräfte“ und werden unter der diktatorischen Herrschaft der Ko-Präsidenten Daniel Ortega und seiner Frau Rosario Murillo zunehmend zum Schweigen gebracht.
Die Repression hat Priester dazu gezwungen, ihre Predigten selbst zu zensieren, und viele Geistliche sind aus dem Land geflohen.
Martha Patricia Molina, eine im Exil lebende Anwältin, die die Unterdrückung der Kirche in Nicaragua verfolgt, hat mehr als 300 Kirchenführer im Exil gezählt.
Quelle: International Christian Concern; www.persecution.org