13.08.2026
Afghanistan: 5 Jahre Taliban-Regime
Vor fünf Jahren marschierten die Taliban in Kabul ein und übernahmen damit die Macht in Afghanistan. Hilfswerke warnen vor der katastrophalen humanitären Lage – und kritisieren die Afghanistan-Politik der Bundesregierung.
Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban leben laut Hilfsorganisationen große Teile der afghanischen Bevölkerung unter katastrophalen Bedingungen. Afghanistan sei «Schauplatz einer der größten humanitären Krisen der Welt», erklärte Caritas International am Mittwoch.
«Systematische Ausgrenzung von Frauen»
Vor fünf Jahren, am 15. August 2021, hatten die radikalislamischen Taliban die Hauptstadt Kabul eingenommen. Nach einem jahrelangen Krieg übernahmen sie mit dem Abzug der internationalen Militärallianz unter Führung der USA wieder die Macht in ganz Afghanistan. Auch die Bundeswehr war rund 20 Jahre an dem Einsatz beteiligt.
Veronika Staudacher ist Caritas-Büroleiterin in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Sie kritisierte eine «systematische Ausgrenzung von Frauen aus dem öffentlichen Leben» sowie berufliche und schulische Verbote. Dies nehme dem Land «jede Zukunftsaussichten». Frauen und Mädchen seien zunehmend von Depressionen betroffen, da ihnen jede Zukunftsperspektive verwehrt wird, betont das Hilfswerk Misereor.
«Die Ernährungs- und Einkommenssituation im Land ist dramatisch», fügte Staudacher hinzu. Fehlende Arbeitsplätze und fünf Dürrejahre in Folge hätten die Bevölkerung weiter verarmt und die Mangelernährung verfestigt.
Kritik an deutscher Afghanistan-Politik
Misereor kritisierte derweil die Afghanistan-Politik der Bundesregierung. Das katholische Hilfswerk warf der Bundesregierung eine zunehmend direkte Anerkennung und „de facto“ Zusammenarbeit mit dem islamistischen Regime vor und verwies etwa auf Abstimmungen über Abschiebungen: Falls die Taliban keine weiteren Diplomaten entsenden können, würden sie geplante Abschiebeflüge nach Afghanistan absagen, so der Vorwurf.
«Das Signal aus Deutschland ist die Anerkennung des Unrechtregimes statt Solidarität und Unterstützung für die leidende Bevölkerung», erklärte Misereor-Geschäftsführer Bernd Bornhorst. Laut dem Hilfswerk würden zudem auch afghanische Staatsangehörige ohne Vorstrafen abgeschoben. Ferner kritisierten sie, dass die Regierung Taliban-Anhängern Leiterposten in der Botschaft in Berlin oder im Konsulat in Bonn geben würde.
Laut den Vereinten Nationen benötigen knapp 22 Millionen Menschen in Afghanistan humanitäre Hilfe, etwas weniger als die Hälfte der Bevölkerung.
Taliban legalisieren Gewalt gegen Frauen und Kinder
Ein neues Taliban-Gesetz erklärt Gewalt gegen Frauen zur Privatsache und kriminalisiert Andersdenkende. Die UNO spricht von einem „Friedhof für Menschenrechte“.
Quelle: jesus.de