13.08.2026

Nigeria: Gericht schützt Christin vor Verhaftung durch Religionspolizei

ADF International: Das Urteil stärkt die Rechte von christlichen Konvertiten

Kano (IDEA) – Ein nigerianisches Bundesgericht hat entschieden, dass die islamische Religionspolizei Hisbah im nördlichen Bundesstaat Kano eine junge Frau wegen ihres Übertritts vom Islam zum Christentum nicht festnehmen darf. Das teilte die christliche Menschenrechtsorganisation ADF International mit, die die juristische Verteidigung der Frau unterstützte. Das Urteil gelte als wichtiger Präzedenzfall, der den Einfluss der Scharia auf Christen und insbesondere auf Konvertiten in Nordnigeria einschränkt. Wie ADF berichtet, war die heute 22-Jährige 2025 aus ihrem Elternhaus im Bundesstaat Kano geflohen. Dort war sie eigenen Angaben zufolge nach dem Tod ihrer Eltern von ihren älteren Geschwistern misshandelt und zu einer Heirat gezwungen worden. Zuflucht habe sie bei einer christlichen Familie gefunden. Während sie bei ihr wohnte, sei sie selbst zum Christentum konvertiert. Daraufhin hätten ihre Geschwister ihre Verhaftung durch die örtliche Hisbah-Polizei erwirkt. Vier Tage lang sei sie festgehalten, geschlagen und unter Druck gesetzt worden, die Ehe einzugehen. Nach ihrer Freilassung sei sie mithilfe ihrer christlichen Familie im Januar 2026 in die Stadt Jos im Zentrum des Landes umgezogen. Anschließend hätten ihre Geschwister die Familie der Entführung beschuldigt, die in der Folge im Februar angeklagt worden sei.

Gericht: Verstoß gegen Menschenwürde und Religionsfreiheit

Nach ADF-Angaben reichte die junge Frau ebenfalls im Februar in einem Nachbarstaat eine Petition zur Durchsetzung ihrer persönlichen Rechte ein. Zwei Tage später habe das Gericht dem Bundesstaat Kano und der Hisbah untersagt, sie aufgrund ihrer Konversion und ihrer Weigerung, zu heiraten, weiter zu verfolgen. Das Vorgehen der Religionspolizei sei ein „eklatanter Verstoß“ gegen ihr Grundrecht auf Menschenwürde und Religionsfreiheit, hieß es in der Urteilsbegründung. Zudem ordnete das Gericht die Zahlung einer finanziellen Entschädigung an. „Das Urteil bestätigt, dass die Hisbah-Polizei keine Zuständigkeit für Christen oder andere Nichtmuslime hat“, betonte der leitende Rechtsberater für globale Religionsfreiheit bei ADF, Sean Nelson.

Hoffnung auf Freispruch für Familie

Ein Strafverfahren gegen die christliche Familie ist ADF zufolge noch anhängig, sie befinde sich derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß. Die Organisation unterstützt auch sie vor Gericht. Deren Mitarbeiter hofften, dass das Verfahren dazu beiträgt, „die Religionsfreiheit für alle in Nigeria zu stärken, unabhängig von ihrem Glauben“, so Nelson. ADF setzt sich seit langem für Christen und andere religiöse Minderheiten ein, die in Nigeria Verfolgung ausgesetzt sind. Tausende werden dort jedes Jahr wegen ihres Glaubens getötet. Auf dem Weltverfolgungsindex 2026 des christlichen Hilfswerks Open Doors steht Nigeria auf Platz 7 der 50 Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Jeweils etwa die Hälfte der mehr als 230 Millionen Einwohner gehört dem Christentum oder dem Islam an, ein kleiner Teil traditionellen Naturreligionen.