14.08.2026

Iran: Zahlreiche Länder verurteilen Hinrichtungen im Iran

Das iranische Regime hat in diesem Jahr bereits hunderte Protestler hingerichtet. Mehrere Länder verurteilen dies nun und fordern ein Ende dieser Praxis.

Von Israelnetz  vom 14. August 2026

BERLIN / TEHERAN (inn) – Mehr als 30 Länder haben die anhaltenden Hinrichtungen im Iran auf das Schärfste verurteilt. In einer gemeinsamen Stellungnahme schrieben sie am Dienstag: „Die Anwendung der Todesstrafe, um Andersdenkende zum Schweigen zu bringen, Gemeinschaften einzuschüchtern und Individuen zu bestrafen, die ihre Menschenrechte ausüben, kann niemals gerechtfertigt sein.“

Die Länder fordern das Regime auf, die Anwendung der Todesstrafe sofort einzustellen. „Wir rufen den Iran außerdem dazu auf, auf die Stimme seines Volkes zu hören, wenn es Wandel fordert, und bedeutsame Schritte zu unternehmen, um den Respekt für Menschenrechte sicherzustellen.“

An der Stellungnahme beteiligten sich größtenteils europäische Staaten, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Österreich. Hinzu kommen die außereuropäischen Länder Australien, Kanada und Neuseeland sowie die Europäische Union.

Organisation: Schon mehr als 900 Hinrichtungen dieses Jahr

Nach Zählung der Organisation Abdorrahman-Borouman-Zentrum für Menschenrechte im Iran hat das Regime seit Jahresbeginn mindestens 920 Hinrichtungen vorgenommen, im Vorjahr waren es demnach 2.113. Das Zentrum stützt sich auf offizielle Mitteilungen. Die Nachrichtenseite „Iran International“ mutmaßt, dass die wirklichen Zahlen deutlich höher liegen, da die Behörden in vielen Fällen Informationen zurückhalten.

Am 1. August richtete das Regime etwa den 20-jährigen Arvin Kheirkhah hin. Behörden hatten ihn während der Massenproteste im Januar gefangengenommen. Die Anklage lautete auf „Kriegsführung gegen Allah“. In seinem letzten Gespräch mit der Familie soll er gesagt haben: „Lasst nicht zu, dass sie mich vergessen. Lasst nicht zu, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, zum Schweigen gebracht wird.“

Foto: privatDas iranische Regime ließ Arvin Kheirkhah wegen seiner Teilnahme an den Protesten hinrichten

Proteste gegen Hinrichtungen

Wenige Tage zuvor hatte der Iran drei junge Männer in Isfahan öffentlich gehängt: Amirhossein Safari und die beiden Brüder Abolfazl und Alireza Sepahi. Sicherheitskräfte gingen gegen Menschen vor, die die Hinrichtungen stoppen wollten.

Die drei Männer waren ebenfalls wegen ihrer Teilnahme an den landesweiten Protesten im Januar verurteilt worden. Nach verschiedenen Schätzungen haben die Sicherheitskräfte damals deutlich mehr als 30.000 Demonstranten getötet.

Junge Frau hingerichtet

Das Regime fährt indes auch mit Todesstrafen unter anderen Begründungen fort. Am Samstag exekutierte es im Gefängnis von Qaswin im Norden des Landes die 24-jährige Marzihyeh Neyri. Ihr wurde vorgeworfen, ihren Mann im Jahr 2021 getötet zu haben. Ihre Sicht, sie habe in Selbstverteidigung gehandelt, fand vor Gericht kein Gehör.

Ihrer Darstellung nach hatte ein Geschäftspartner sie unter Alkoholeinfluss und im Beisein ihres Mannes sexuell angegriffen. Als sie sich mit einem Küchenmesser zur Wehr setzte, verwundete sie beide Männer, ihr Ehemann erlag den Verletzungen.

Sie versteckte sich vier Tage lang und suchte schließlich Schutz bei ihrem Bruder. Dieser übergab sie aber den Behörden. Ein Jahr zuvor war sie als 17-Jährige zwangsverheiratet worden. (df)