15.07.2026
Oberägypten: Muslime greifen Kirche in einem Dorf an
Sie warfen Steine und riefen Hassparolen – Zwei Christen verletzt
Kairo/Waldsolms (IDEA) – In Oberägypten haben Muslime in einem Dorf eine koptische Kirche angegriffen. Dabei wurden zwei Christen verletzt. Das berichtet die unabhängige Ägyptische Initiative für Persönlichkeitsrechte (EIPR). Der Vorfall ereignete sich am 8. Juli in dem Dorf El-Tal El-Qibliya. Laut EPPR riefen Dutzende muslimische Einwohner – hauptsächliche Frauen und Kinder – hasserfüllte Parolen und bewarfen das als Kirche genutzte Gebäude mit Steinen. Dabei wurden ein Mann und eine Frau verletzt. Außerdem demolierten die Angreifer den Wagen des örtlichen Geistlichen. Die herbeigerufene Polizei konnte die Lage beruhigen. Sie nahm vier Kopten und eine unbekannte Zahl von Muslimen fest. EIPR zufolge kamen die Christen frei, nachdem sie ihre Anzeige gegen die Angreifer zurückgezogen hatten. Die Menschenrechtsinitiative forderte die Behörden auf, die Kirche im Dorf anzuerkennen und Gewalttäter zu verfolgen. Der zuständige koptische Bischof Makarius (Diözese von Minya und Abu Qurqas) bestätigte den Vorfall. Er sagte dazu in einem YouTube-Video: „Als Christen können wir die Erniedrigung und Ungerechtigkeit ertragen, aber nicht akzeptieren.“ Der Menschenrechtsexperte Martin Lessenthin (Waldsolms/Mittelhessen) erklärte auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA: „Ägypten ist kein Rechtsstaat. Polizei und Justiz diskriminieren religiöse Minderheiten.“ Christen, die von Islamisten auf Kirchengelände angegriffen werden, könnten sich nicht auf den vollen Schutz des Staates verlassen. Die Täter würden systematisch durch von der Polizei initiierte sogenannte „Versöhnungen“ vor Gerichtsurteilen geschützt. Diese Methode werde von der Polizei auch bei Auseinandersetzungen über Zwangsislamisierungen und Entführungen von christlichen Mädchen angewandt. Deutschland und die EU-Partner ignorierten die Verletzungen von Religionsfreiheit und Menschenrechten weitgehend und sähen in Ägypten „ausschließlich einen geostrategisch wichtigen Partner“. In dem muslimisch dominierten Land sind rund zehn Prozent der etwa 120 Millionen Einwohner koptische Christen.