17.08.2026

Deutschland: Prof. Thiede -"Liberale Theologie ist ernste Bedrohung für die Kirche"

Die Unterscheidung zwischen „wahrer“ und „falscher Kirche“ nicht aufgeben

Hofgeismer (IDEA) – Der Theologieprofessor und Ruhestandspfarrer Werner Thiede (Neuhausen bei Pforzheim) sieht in der liberalen Theologie eine ernste Bedrohung für die Kirche. Das erklärte er am 14. August beim 11. Ökumenischen Bekenntniskongress der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften (IKBG) in der Evangelischen Tagungsstätte Hofgeismar bei Kassel. Rund 60 Teilnehmer waren zu der Veranstaltung unter dem Motto „Unsere Hoffnung lebt“ gekommen. Thiede zufolge ist eine evangelische Kirche, die sich von den typischen Verkürzungen und Umdeutungen liberaler Theologie beherrschen lasse „ein Schiff ohne Kompass“. Das Bekenntnis zu Christus mache eigentlich die Kirche als Glaubensgemeinschaft aus, die „dankbar auf den lebendigen und in Herrlichkeit wiederkommenden Christus konzentriert“ sei. Er verwies auf die Grundformel des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), wonach dieser „eine Gemeinschaft von Kirchen“ bilde, „die unseren Herrn Jesus Christus als Gott und Heiland anerkennen“. Folglich könne die Definition der Kirche nicht etwa beliebig ausfallen oder zur Diskussion stehen. Die traditionelle Unterscheidung zwischen „wahrer“ und „falscher Kirche“ dürfe keineswegs aufgegeben werden. Sonst feierten „Irrlehren innerhalb der Kirche fröhliche Urständ‘“, und es käme zu bedenklichen Umdefinitionen oder zur Vermischung mit anderen Religionen.

„Christen sind nicht einfach Anhänger und Bewunderer eines Märtyrers“

Als aktuelles Beispiel für die Aushöhlung des Glaubens nannte Thiede einen im Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrerblatt (Heft 1/2026) veröffentlichten „Katechismus für ein liberales Christentum“ des Theologen und Publizisten Kurt Bangert. Dieser mache aus Jesus einen „politischen, freilich gewaltfrei agierenden Sozialrevolutionär“, wie ihn das Neue Testament nirgends schildere. Bangert sehe den Tod Jesu lediglich als einen „Märtyrer-Tod“ an und verabschiede die Osterbotschaft mit ihrer Rede vom leeren Grab. Das sei „eine grobe Verkürzung“ des biblisch und kirchlich überlieferten Evangeliums. „Christen sind nicht einfach Anhänger und Bewunderer eines Märtyrers“, so Thiede. Wo die neutestamentliche Heilsbedeutung des Kreuzestodes Jesu durch eine bloße Märtyrer-Erzählung ersetzt werde, falle auch die für den Protestantismus grundlegende Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade. Thiede kritisierte ferner den Berliner Theologen und Referenten der „Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ (EZW), Martin Fritz. Dieser habe sich dafür ausgesprochen, zentrale Dogmen wie den Sühnetod Jesu, die göttliche Dreieinigkeit oder die Auferstehung der Toten nicht länger als entscheidende Bestandteile christlicher Lehre zu betrachten. Vielmehr befürworte er es, Menschen auch ohne das Bekenntnis zu Christus in der Kirche halten zu wollen. Das aber, so Thiede, laufe darauf hinaus, die theologische Unterscheidung zwischen wahrer und falscher Kirche aufzuheben. So würden „die Fundamente der hoffenden Kirche, die sich auf den biblisch bezeugten Christus gründet“, untergraben.

Vordringen liberaler Theologie führt zu mehr Kirchenaustritten

Der Dogmatikprofessor sieht einen Zusammenhang zwischen dem Vordringen liberaler Theologie und der Zunahme an Kirchenaustritten. Eine Kirche, „die verlernt hat, ihr inneres Zentrum, den lebendigen Grund ihrer Anbetung und Hoffnung klar und beständig im Auge zu behalten“, verliere „naturgemäß an Anziehungskraft“. Wenn Kirchenleitungen meinten, „durch laxes Absehen vom Christus-Bekenntnis Menschen innerhalb ihrer Mauern halten oder gar hineinlocken zu können“, so erreichten sie damit nur solche Menschen, die mit dem wahren, wirklichen Christus wenig bis gar nichts zu tun haben wollten. Die IKBG ist nach eigenen Angaben ein weltweiter Zusammenschluss von Christen verschiedener Konfessionen, die sich als „bekennend“ verstehen: „Sie nehmen die Bibel mit Altem und Neuem Testament als verbindliche Grundlage für Glauben und Ethik an und bekennen sich mit dem Apostolischen und dem Nizänischen Glaubensbekenntnis zum Dreieinigen Gott.“ Als Präsident amtiert der württembergische Pfarrer Ernst Nestele (63/Winterlingen/Schwäbische Alb). Er wurde im Rahmen des Kongresses offiziell als Nachfolger von Pastor Ulrich Rüß (Hamburg) eingeführt, der das Amt seit 2009 ausgeübt hatte.