19.08.2026

Nigeria: UN-Experten warnen vor Gewalt gegen Christen in Nigeria

Brief an Regierung: Frauen und Mädchen sind besonders betroffen

Genf/Abuja (IDEA) – Fünf Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen (UN/Genf) haben die nigerianische Regierung in einem gemeinsamen Schreiben vor einer dramatischen Zunahme religiös motivierter Gewalt gegen Christen und andere religiöse Minderheiten gewarnt. Besonders gefährdet seien christliche Frauen und Mädchen im Norden und in der Mittelregion des Landes. Das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte veröffentlichte den Brief am 13. August, nachdem die 60-tägige Antwortfrist verstrichen war. Darauf weist die Menschenrechtsorganisation ADF International (Alliance Defending Freedom) hin. Verfasst wurde das Schreiben von den UN-Sonderberichterstattern zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen, zu willkürlichen Hinrichtungen, zu Minderheitenfragen und zu Folter sowie von der Arbeitsgruppe gegen gewaltsames und unfreiwilliges Verschwindenlassen. Anlass seien Berichte über Tötungen, sexuelle Gewalt, Zwangskonversionen, Zwangsverheiratungen und Entführungen. Die UN-Experten fordern die nigerianischen Behörden auf, unverzüglich gegen die mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen vorzugehen und Opfer wie gefährdete Zivilisten zu schützen. Überdies sollen sie ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen – etwa zum Schutz der Religionsfreiheit, religiöser Minderheiten sowie von Frauen und Mädchen.

In Nigeria mehr Christen wegen ihres Glaubens getötet als sonst weltweit

Nach Angaben der Experten wurden im vergangenen Jahr in Nigeria mehr Christen wegen ihres Glaubens getötet als im übrigen Rest der Welt zusammen. Von weltweit 4.849 aus religiösen Gründen getöteten Christen im Jahr 2025 entfielen 3.490 (rund 72 Prozent) auf Nigeria. Die Experten führen vier Fälle an, darunter die Entführung und sexuelle Misshandlung zweier Frauen durch bewaffnete Milizen, die Zwangsverheiratung eines 13-jährigen Mädchens sowie den Angriff auf eine 16-Jährige, der die Hand abgeschlagen wurde, nachdem ihre Familie einen Heiratsantrag abgelehnt hatte. Besonders gefährdet seien Frauen in Lagern für Binnenvertriebene, wo junge Mädchen laut den Berichten zu sexuellen Handlungen im Tausch gegen Nahrungsmittel und lebensnotwendige medizinische Versorgung gezwungen würden.

Kritik an Scharia- und Blasphemiegesetzen

Die interreligiösen Spannungen könnten durch die strengen Schariagesetze in den zwölf nördlichen Bundesstaaten weiter verschärft werden, warnen die Experten. Besondere Sorge äußern sie über Blasphemiegesetze und die Todesstrafe für bestimmte religiöse Vergehen. Häufig fingierte Blasphemievorwürfe führten zu Lynchmorden gegen religiöse Minderheiten. Die nigerianische Regierung habe bereits mehrere frühere Mitteilungen von UN-Sonderberichterstattern unbeantwortet gelassen. Nach Angaben des christlichen Hilfswerks Open Doors werden in Nigeria jedes Jahr mehr Christen getötet als in jedem anderen Land der Welt. Auf dem Weltverfolgungsindex belegt der Staat Rang sieben der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.