20.07.2026
Nigeria: US-Repräsentantenhaus stimmt für Aussetzung der Hilfen
Maßnahme soll Regierung zum Schutz von Christen bewegen
Washington, D.C. (IDEA) – Das US-Repräsentantenhaus hat dafür gestimmt, sämtliche Hilfszahlungen an Nigeria auszusetzen, bis die Regierung des westafrikanischen Landes Schritte unternimmt, „um Gewalt im Land zu verhindern und darauf zu reagieren“. Das berichtet das Nachrichtenportal „Christian Daily“. Bevor das Gesetz in Kraft treten kann, muss es noch vom Senat gebilligt und von US-Präsident Donald Trump unterzeichnet werden. Der ursprüngliche Gesetzentwurf sah vor, 50 Prozent der US-Hilfen an Nigeria zurückzuhalten. Auf Antrag des republikanischen Abgeordneten Greg Steube (US-Bundesstaat Florida) wurde dieser Anteil jedoch auf 100 Prozent gesetzt. Die Aussetzung soll so lange gelten, bis der US-Außenminister bestätigt, dass Nigeria wirksame Maßnahmen zum Schutz von Christen ergreift und Täter religiöser Gewalt zur Verantwortung zieht. Nach der Abstimmung schrieb Steube auf der Plattform X: „Amerikanische Steuerzahler sollten niemals Regierungen finanziell unterstützen, die wegsehen, während Christen entführt, gefoltert und ermordet werden. Schluss mit verschwenderischer Entwicklungshilfe!“
ORFA: Vor allem Christen sind gefährdet
Wie stark Christen betroffen sind, zeigt ein neuer Bericht der Beobachtungsstelle für Religionsfreiheit in Afrika (Observatory of Religious Freedom in Africa/ORFA, Voorburg) für den Zeitraum Oktober 2019 bis September 2025. In diesen sechs Jahren dokumentierte die niederländische Beobachtungsstelle 79.323 Todesopfer, darunter 42.033 Zivilisten. Unter ihnen befanden sich 22.835 Christen, 10.519 Muslime und 184 Angehörige traditioneller afrikanischer Religionen. Zudem wurden 34.917 Menschen entführt, davon 15.932 Christen und 15.272 Muslime. Christen tragen laut ORFA weiterhin ein deutlich höheres Risiko, Opfer tödlicher Gewalt zu werden, als Muslime.
Nigerianische Regierung weist Vorwürfe zurück
Die nigerianische Regierung von Präsident Bola Tinubu weist Vorwürfe zurück, wonach im Land eine staatlich geduldete Kampagne gegen Christen stattfinde. Terrorismus und kriminelle Gewalt beträfen Bürger unabhängig von ihrer Religion, so nigerianische Regierungsvertreter. Tinubu erklärte, die Sicherheitsprobleme des Landes beträfen Menschen „über Glaubensrichtungen und Regionen hinweg“, und Nigeria bleibe der religiösen Toleranz verpflichtet. Nach Daten zur US-Entwicklungshilfe zahlten die Vereinigten Staaten im Jahr 2024 rund 929 Millionen US-Dollar Auslandshilfe (etwa 813 Millionen Euro) an Nigeria. Das Land kämpft seit Langem mit mehreren Sicherheitskrisen. Unter Trump hat sich die Debatte verschärft. Trump hat Nigeria wiederholt vorgeworfen, Christen nicht zu schützen. Nigeria hat mehr als 230 Millionen Einwohner. Jeweils rund 46 Prozent sind Christen oder Muslime.