22.07.2026
China: Wie Pastor Jin Mingri die Haft erlebte
Acht weitere Mitglieder der chinesischen Zion-Kirche sind noch immer in Haft
Washington, D.C. (IDEA) – Nach seiner Freilassung aus chinesischer Haft hat Pastor Jin Mingri nun über die Bedingungen im Gefängnis erzählt. Im vergangenen Oktober war der Gründer der „Kirche von Zion“ zusammen mit 28 weiteren Mitgliedern und Leitern seiner Kirche in China inhaftiert worden. Jin kam nach 266 Tagen frei und am 4. Juli in den USA an. Dort leben seine Ehefrau und seine Kinder. Wie die Onlinezeitung „Christian Post“ unter Bezug auf die US-Zeitungen „Wall Street Journal“ und „New York Times“ berichtet, sind die Gefangenen in China Jin zufolge „eingesperrt in enge Zellen“ und müssen „bei glühender Hitze auf Bodenmatten schlafen“. Er selbst habe sich einen Raum mit Dutzenden weiteren Gefangenen teilen müssen, so Jin. Tagsüber seien sie gezwungen worden, auf Bänken zu sitzen, und hätten dabei Wunden entwickelt. Trotz seiner Freilassung warnte Jin davor, diese voreilig als Sieg zu deuten. „Ich hoffe, dass die Leute nicht denken: ‚Wir haben gewonnen‘ und die anderen vergessen.“ Acht weitere Mitglieder der Zion-Kirche seien nach wie vor in chinesischer Haft: „Ich könnte nicht dankbarer sein und bete, dass die anderen Inhaftierten bald ebenfalls dieselbe Freiheit erleben können. Mein Gott ist ein Gott der Wunder, und er überrascht mich immer wieder.“
Jin Mingri war „Gefangener des Monats“
Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA hatten Jin im Januar 2026 als „Gefangenen des Monats“ benannt und dazu aufgerufen, sich für ihn einzusetzen. Er hatte 2007 die staatlich nicht registrierte „Kirche von Zion“ in Peking gegründet. Sie entwickelte sich zu einem der größten Hauskirchennetzwerke in China. Elf Jahre später lösten die Behörden sie auf. Weil sich die Kirche weigerte, die von der Regierung vorgesehenen Überwachungsgeräte zu installieren, waren ihre Räumlichkeiten von den Behörden geschlossen worden. Dennoch treffen sich weiter Tausende von Mitgliedern zu Gottesdiensten in zahlreichen Städten. In China gibt es nur zwei anerkannte christliche Kirchen, die „Katholisch-Patriotische Vereinigung“ und die protestantische „Drei-Selbst-Bewegung“. Beide stehen dem christlichen Hilfswerk Open Doors zufolge unter strenger staatlicher Kontrolle. Dies diene zur „Sinisierung“ der Kirchen, also zur Anpassung der Kirchen an die chinesische Kultur. In der rund 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Volksrepublik leben nach Schätzungen bis zu 130 Millionen Christen.