22.08.2026

Indien: "Justice Sunday” Katholiken treten für Arme

und fordern Garantien mit Blick auf das Gesetz für ausländische Finanzierung

Neu-Delhi (Fides) – „Gerechtigkeit beginnt bei uns“ – ein Titel, inspiriert von der Bibelstelle Jesaja 1,17 – ist das zentrale Thema des „Justice Sunday“, den die katholische Kirche in Indien am 23. August als Tag der Besinnung, des Gebets und der Sensibilisierung für soziale Gerechtigkeit begeht. An diesem Tag appellieren die Katholiken des Landes an die Verantwortlichen und die Zivilgesellschaft, sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Der erste „Justice Sunday“ wurde am 20. August 1989 begangen. Seitdem arbeitet das Büro für Gerechtigkeit, Frieden und Entwicklung der Indischen Bischofskonferenz (CBCI) jedes Jahr an der Gestaltung des Aktionstages.
Anlässlich des „Justice Sunday“ betonte Leiter des Büros für Gerechtigkeit, Frieden und Entwicklung der CBCI, Erzbischof Peter Machado von Bangalore, in einer Erklärung: „Die wahre Anbetung Gottes ist untrennbar mit dem täglichen Handeln für Gerechtigkeit verbunden.“ In der Botschaft, die Fides vorliegt, ruft der Erzbischof jeden Nachfolger Christi dazu auf, über bloße Frömmigkeit hinauszugehen und sich aktiv für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. „Gott ruft uns nicht nur dazu auf, das Böse zu meiden“, erklärt er, „sondern auch aktiv nach Gerechtigkeit zu streben, die Schwachen zu schützen und die Würde jedes Menschen zu verteidigen. Gerechtigkeit ist in Gottes Wesen selbst verankert und findet ihre Vollendung in Jesus Christus, der den Armen die frohe Botschaft verkündete, die Ausgeschlossenen aufnahm und den Vergessenen ihre Würde zurückgab.“ Erzbischof Machados Botschaft erinnert an die Bibelstelle des Propheten Jesaja: „Lernt, Gutes zu tun! Sucht das Recht! Schreitet ein gegen den Unterdrücker! Verschafft den Waisen Recht, streitet für die Witwen!“
Auch der Vorsitzend der CBCI, Kardinal Anthony Poola, appellierte in einer öffentlichen Stellungnahme an die Behörden, die verfassungsmäßigen Prinzipien der Gerechtigkeit, Gleichheit und des Säkularismus zu wahren. Der Kardinal äußerte sich besorgt über die zunehmenden Fälle von Gewalt und Einschüchterung, denen christliche Gemeinden im Land ausgesetzt sind. Die Feierlichkeiten finden zudem in einem Klima politischer Spannungen statt: Kurz vor dem „Justice Sunday“ wiesen die indischen Bischöfe Anschuldigungen im Zusammenhang mit der Debatte über den „Foreign Contribution (Regulation) Amendment Bill, 2026“ zurück. Dieser regelt und begrenzt die ausländische Finanzierung indischer Nichtregierungsorganisationen sowie sozialer und religiöser Organisationen. Der Gesetzentwurf, der am 25. März 2026 in der Lok Sabha (dem Unterhaus des Parlaments) eingebracht wurde, wurde nach heftiger Kritik von Opposition, Zivilgesellschaft und verschiedenen religiösen Organisationen am 12. August an einen gemeinsamen Parlamentsausschuss verwiesen.
Die indischen Bischöfe bekräftigten, dass die von der Regierung vorgeschlagenen Regelungen die humanitären, Bildungs- und Gesundheitsaktivitäten der Kirche für die Ärmsten und Ausgegrenzten beeinträchtigen könnten, und forderten öffentlich die Rücknahme oder eine gründliche Überprüfung der Maßnahme. Zu den strittigen Punkten gehören insbesondere die Bestimmungen zu Immobilien und Vermögenswerten, die mit ausländischen Zuwendungen erworben wurden. Diese könnten im Falle des Entzugs oder der Nichtverlängerung der entsprechenden FCRA-Registrierung von Nichtregierungsorganisationen beschlagnahmt und an die Verwaltung einer bestimmten Behörde übertragen werden. Am 10. Juli übergab die CBCI Innenminister Amit Shah ein Memorandum, in dem die Bischofskonferenz neben den Problemen im Zusammenhang mit dem FCRA auch Themen wie Religionsfreiheit, die Rechte christlicher Dalits, die den registrierten Kasten (Scheduled castes) angehören, und die humanitäre Krise in Manipur ansprach.
Der Jesuit Pater Cedric Prakash rief im Vorfeld des „Justice Sunday“ gegenüber indischen katholischen Medien die Gläubigen dazu auf, ihre prophetische Stimme in der Gesellschaft wiederzuentdecken. Er erinnerte an die „offenen Wunden“ der Ungerechtigkeit in Indien: das Kastensystem, das die Ärmsten und Schwächsten benachteiligt; den „Vetternwirtschaftskapitalismus“, der die Armen an den Rand drängt; und die grassierende Korruption in höchsten Kreisen. Der Jesuit prangerte auch die gezielte Gewalt gegen religiöse Minderheiten wie Muslime, Christen und Sikhs an; die Verweigerung legitimer Rechte für Dalits, die zum Christentum oder Islam konvertiert sind; die Beschlagnahmel von Land und Ressourcen indigener Völker; die Ausbeutung von Kleinbauern, Tagelöhnern und Wanderarbeitern; die Missachtung der Rechte von Frauen; und eklatante Verstöße gegen die „Umweltgerechtigkeit“.
In dieser Situation, so Prakash, sei die indische Kirche aufgerufen, „sich stets öffentlich an die Seite der Opfer von Ungerechtigkeit zu stellen“. Und in Erinnerung an die Bischofssynode von 1971 zum Thema „Gerechtigkeit in der Welt“ erklärt er: „Angesichts der gegenwärtigen Weltlage, die von der schweren Sünde der Ungerechtigkeit geprägt ist, erkennen wir sowohl unsere Verantwortung als auch unsere Unfähigkeit, diese aus eigener Kraft zu überwinden. Diese Situation drängt uns dazu, dem Wort Gottes mit Demut und offenem Herzen zuzuhören, das uns neue Wege des Handelns für Gerechtigkeit in der Welt aufzeigt.“ Für die katholische Kirche Indiens ist der „Justice Sunday“ nicht nur ein Tag des Gebets und der Aufklärung, sondern ein Aufruf zu konkreter Verantwortung angesichts von Ungleichheit, Diskriminierung und Verletzungen der Menschenwürde.
(PA) (Fides 22/8/2026)