23.07.2026

Jemen: Christen zwischen Verfolgung und Krieg

Der Jemen zählt zu den gefährlichsten Ländern der Welt für Christen. Nur wenige Tausend von ihnen leben in diesem Land, dessen Einwohner seit Jahren unter einem Bürgerkrieg leiden.

(IDEA) Im Zuge des Iran-Konflikts hat sich die Lage im Jemen dramatisch verschlechtert. Das christliche Hilfswerk Coworkers schildert, wie es gemeinsam mit lokalen Partnern Notleidende unterstützt und Christen stärkt.

Die christliche Minderheit im Jemen besteht überwiegend aus Konvertiten aus dem Islam. Ihren Glauben können sie meist nur im Verborgenen leben. Denn ein Religionswechsel gilt als Verrat an Familie und Stamm – mit Folgen für die jungen Christen. Ihnen drohen Ausgrenzung, Gewalt, Verhaftung oder sogar der Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder. Besonders gefährlich ist die Situation in den Gebieten, die von der Huthi-Miliz kontrolliert werden und in denen eine strenge Auslegung des Islams durchgesetzt wird.

Stellvertreterkrieg mit verheerenden Folgen

Neben der religiösen Verfolgung leiden Christen wie die gesamte Bevölkerung unter den Folgen des 2014 ausgebrochenen Bürgerkrieges. Nachdem die Huthi-Milizen große Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatten, entwickelte sich der Jemen zum Schauplatz eines Stellvertreterkrieges zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Seither verkompliziert sich die Lage im Land stetig: Seit 2023 greifen die Huthi als Verbündete des Iran wiederholt Israel an. Die USA und Israel reagieren mit Luftangriffen auf Ziele im Nordjemen. Gleichzeitig verschärfen sich im Süden des Jemen die Spannungen zwischen der international anerkannten Regierung und separatistischen Kräften. Angriffe auf den Flughafen von Sanaa und gegenseitige Drohungen der Konfliktparteien machen deutlich, wie explosiv die Lage bleibt. Für die Bevölkerung sind die Folgen verheerend: Millionen Menschen wurden vertrieben, viele leiden seit Jahren unter Hunger, medizinische Versorgung und staatliche Strukturen sind kaum vorhanden.

Hilfe und Hoffnung kommen an

Trotz der extremen Bedingungen engagiert sich Coworkers gemeinsam mit einheimischen Partnern für die Menschen im Jemen. Über christliche Netzwerke werden Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Saed (Name aus Sicherheitsgründen geändert) kennt die Situation gut. Der einheimische Mitarbeiter berichtet: „Regelmäßig besuchte ich einen Mann, der von uns Lebensmittel bekommen hatte. Er vertraute mir seine Sorgen und Fragen an, und ich erzählte ihm ausführlich von meinem Glauben. Während wir gemeinsam in der Bibel lasen, spürte ich seine Aufmerksamkeit und seinen Durst nach mehr.“ Ein weiterer Projektpartner nutzt digitale Medien, um Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Über soziale Netzwerke entstehen geschützte Räume für Fragen, Austausch und Begleitung. Auch Jüngerschaftsschulungen und Maßnahmen für finanzielle Selbstständigkeit gehören zur Arbeit der einheimischen Organisationen. Deren Mitarbeiter erleben Erstaunliches: Trotz Krieg, Verhaftungen und anhaltender Verfolgung wächst die Zahl der Christen im Jemen.