25.06.2026

Weltweit: 388 Millionen Christen von Verfolgung und Diskriminierung betroffen

Wiener Bundeskanzleramt: In mehreren Erdteilen verschärft sich die Lage

Wien (IDEA) – Weltweit waren Anfang 2026 rund 388 Millionen Christen von Verfolgung und Diskriminierung betroffen. Das geht aus einem Bericht über die Lage der Religionsfreiheit mit Fokus auf die weltweite Christenverfolgung hervor, den die „Stabstelle Internationaler Schutz verfolgter religiöser Minderheiten“ im österreichischen Bundeskanzleramt vorgelegt hat. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ende Februar 2026 begonnenen Krieg zwischen dem Iran, Israel und den Vereinigten Staaten. Laut dem Leiter der Stabstelle, Daniel Soudek, geht es dabei nicht um einen isolierten Fall von Christenverfolgung; der Krieg wirke aber als „Katalysator bestehender Verfolgungs- und Gefährdungslagen“. So habe sich die Repression gegen religiöse Minderheiten im Iran weiter verschärft. Betroffen seien insbesondere christliche Konvertiten und Hauskirchen. Der Bericht verweist zudem darauf, dass im Dezember 2025 fünf Konvertiten zu Haftstrafen von insgesamt über 50 Jahren verurteilt worden waren. Ihnen wurde die Verbreitung ihres Glaubens über digitale Kommunikationskanäle sowie die Teilnahme an Hauskirchen zur Last gelegt. Eine der verhafteten Personen habe während der Haftzeit schwerste körperliche Verletzungen erlitten, darunter eine gebrochene Wirbelsäule. Allein im Jahr 2025 seien Haftstrafen von zusammen über 280 Jahren gegen Christen verhängt worden.

Syrien: Christliche Bevölkerung auf 300.000 Gläubige geschrumpft

In Syrien wiederum ist dem Bericht zufolge zwar keine flächendeckende staatliche Verfolgung festzustellen, Gewalt, Diskriminierung und gezielte Übergriffe durch extremistische Gruppen seien dennoch keine Seltenheit. Vor Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 lebten noch rund 1,5 bis zwei Millionen Christen in Syrien, heute sind es nach Schätzungen nur noch etwa 300.000 bis 500.000. Zum Hintergrund: Im Dezember 2024 hatte ein von Islamisten angeführtes Rebellenbündnis den langjährigen Machthaber Baschar al-Assad gestürzt und die Macht in Damaskus übernommen. Seither herrscht der sunnitisch-islamistische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa (früher Abu Muhammad al-Golani). Kurz vor dem Palmsonntag (29. März) hat dem Bericht zufolge eine Gruppe islamistischer Fanatiker in der Kleinstadt Suqaylabiyah in der Provinz Hama ein Geschäft gestürmt, Eigentum von Christen zerstört und Frauen belästigt. Bereits im Oktober 2025 waren im Wadi al-Nasara (dem „Tal der Christen“ in der Provinz Homs) drei junge Christen von maskierten Tätern aus nächster Nähe erschossen worden. Zeugen hätten später angegeben, die Angreifer hätten Uniformen der staatlichen Sicherheitskräfte getragen. Ob es sich dabei um echte Uniformen oder um eine Tarnung handelte, sei bisher nicht geklärt.

Myanmar: Über 200 Kirchen seit 2021 zerstört

In Myanmar habe sich die Lage für Christen seit dem Militärputsch im Februar 2021 drastisch verschlechtert. Seither seien im Bundesstaat Chin über 200 Kirchen durch Brandstiftung, Artilleriebeschuss oder Luftangriffe zerstört und mindestens 85 Geistliche getötet worden. Am 28. Dezember 2025 habe das Militär ein Dorf im Chin-Staat bombardiert, wobei eine Kirche schwer beschädigt und zahlreiche Wohnhäuser zerstört worden seien. In dieser Region leben überproportional viele Christen. Da ein erheblicher Teil von ihnen ethnischen Minderheiten angehöre, komme es in Myanmar zu einer „Überlagerung religiöser Verfolgung mit ethnischer Diskriminierung“.

Indien: Wachsender Druck durch Hindu-Nationalisten

In Indien sei die Situation durch ein Spannungsverhältnis zwischen der verfassungsmäßig garantierten Religionsfreiheit und dem zunehmendem Einfluss der Hindu-Nationalisten geprägt. Im Januar 2026 seien im Bundesstaat Uttar Pradesh Sonntagsgottesdienste an mindestens fünf Orten gestört worden. Im Bundesstaat Chhattisgarh hätten Verbotsschilder Christen den Zugang zu Dörfern untersagt – eine Regelung, die ein Gericht genehmigt habe. In Andhra Pradesh wiederum seien rund 100 christliche Familien aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und boykottiert worden, weil sie Beiträge für einen Tempelbau verweigert hätten.