29.06.2026

China: Zwei inhaftierte Christen erhalten Bibeln

Juristische Initiative hatte Erfolg

Beihai, Washington (IDEA) – Zwei von 18 in China inhaftierten Mitarbeitern der Pekinger Zion-Kirche haben im Gefängnis Bibeln erhalten. Nach Angaben der Online-Zeitung „Christian Post“ bekam zunächst der 56-jährige Gemeindegründer Ezra Jin Mingri ein Exemplar in der Haftanstalt Beihai (Provinz Guangxi), dann auch Pastor Sun Cong. Sein Anwalt Yang Hui hatte einen Antrag auf behördliche Überprüfung gestellt. Laut der in Texas ansässigen christlichen Menschenrechtsorganisation ChinaAid erfolgte die Übergabe mit Hilfe eines formellen Rechtsbehelfsverfahrens, das sich gegen die Beschränkungen des Bibelzugangs in der Haftanstalt richte. Daraufhin hätten die Behörden den Zugang zur Bibel gestattet – ein seltenes Zugeständnis im chinesischen Haftsystem. Laut ChinaAid-Gründer Bob Fu hat dieser Schritt „einen juristischen Präzedenzfall in formeller schriftlicher Form“ geschaffen. Angehörige oder Anwälte anderer inhaftierter chinesischer Christen könnten künftig möglicherweise denselben Rechtsweg nutzen, um Bibeln zu übergeben.

US-Regierung verurteilt Festnahmen

Der 56-jährige Jin wurde nach Angaben der „Christian Post“ im Oktober 2025 in seinem Haus in Beihai festgenommen. Zu diesem Zeitpunkt seien in Peking, Shanghai und Shenzhen fast 30 weitere Leiter und Mitglieder der Zion-Kirche verhaftet oder als vermisst gemeldet worden. Laut dem „Wall Street Journal“, das im März über den Fall berichtet habe, umfasst die Gruppe der in der Haftanstalt in Beihai einsitzenden Christen 18 Personen. Die US-Regierung hatte die Festnahmen verurteilt. US-Außenminister Marco Rubio und Kongressabgeordnete forderten die Freilassung Jins. Dessen Ehefrau lebe seit 2018 in den USA, die drei Kinder des Paares sind US-Staatsbürger.

Druck auf Verteidiger

Yangs Erfolg steht nach Angaben der „Christian Post“ im Kontrast zur Behandlung anderer Anwälte, die mit dem Fall in Verbindung standen. So hätten die Behörden Zhang Kai, der Jin vertreten hatte, im März die Zulassung entzogen. Bei weiteren Anwälten seien die Lizenzen ausgesetzt oder mündliche Verwarnungen ausgesprochen worden. Laut Grace Jin Drexel, der Tochter des Pastors, wurde auf alle Anwälte, die den Fall ihres Vaters ursprünglich übernommen hatten, Druck ausgeübt, so dass sie das Mandat niederlegten.

Eine der größten Hauskirchen Chinas

Die Zion-Kirche steht laut „Christian Post“ seit Jahren unter Druck der chinesischen Behörden. Jin hatte die Gemeinde 2007 nach seinem Studium am Fuller Theological Seminary in Kalifornien gegründet. Nach seiner Teilnahme an den Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Platz) im Jahr 1989 sei er zum Christentum konvertiert. Inzwischen habe er die Gemeinde zu einer der größten Hauskirchen Chinas mit Tausenden Gläubigen in mehreren Städten ausgebaut. 2018 schlossen die Behörden die Räumlichkeiten der Kirche in Peking, nachdem sich die Gemeinde geweigert hatte, der staatlichen Forderung nachzukommen, Überwachungstechnik zu installieren. Daraufhin habe die Gemeinde ihre Treffen in den digitalen Raum verlagert. Dort verzeichneten ihre Gottesdienste bis zu 10.000 Teilnehmer.