30.07.2026

Deutschland: Höchste Pro-Kopf-Rate antisemitischer Vorfälle

J7-Bericht: Weltweit 20 Tote durch antisemitische Anschläge

Würzburg (IDEA) – Deutschland verzeichnet unter den sieben Ländern mit den größten jüdischen Gemeinden außerhalb Israels die höchste Pro-Kopf-Rate antisemitischer Vorfälle. Auf 1.000 jüdische Einwohner kommen hierzulande rund 70 Vorfälle. Zum Vergleich: 2021 lag der Wert noch bei 23,5. Das geht aus dem zweiten Jahresbericht der „J7 Large Communities‘ Task Force Against Antisemitism“ hervor. Zu dem Zusammenschluss gehören jüdische Dachverbände aus den sieben Ländern, die die größten jüdischen Gemeinden der Diaspora vertreten: Argentinien, Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und den USA. Für Deutschland wirkte der Zentralrat der Juden in Deutschland mit. Insgesamt registrierten die J7-Staaten im Jahr 2025 rund 23.174 antisemitische Vorfälle. Die meisten entfielen auf Deutschland mit 8.725 Fällen, gefolgt von den USA mit 6.274 und Großbritannien mit 3.700 Fällen. In Deutschland ist das im Vergleich zu 2021 ein Anstieg von 215 Prozent.

Tödlichstes Jahr für jüdische Gemeinden seit mehr als 30 Jahren

Nach Angaben der Task Force war 2025 für jüdische Gemeinden außerhalb Israels das tödlichste Jahr seit mehr als drei Jahrzehnten. Bei antisemitisch motivierten Anschlägen kamen weltweit 20 Menschen ums Leben – alle in den sieben Ländern mit den größten jüdischen Gemeinden. Zu den schwersten Attentaten zählt laut Bericht der Terrorangriff auf die Heaton-Park-Synagoge in Manchester an Jom Kippur mit zwei Toten. Zudem wurden zwei Menschen vor dem Capital Jewish Museum in Washington ermordet sowie eine Frau in Boulder (US-Bundesstaat Colorado) getötet. In Sydney erschossen zwei Attentäter am Strand von Bondi Beach 15 Menschen bei einer Chanukka-Feier. Nur wenige Tage zuvor hatte die Task Force auf ihrem Gipfeltreffen vor der weltweiten Bedrohung jüdischer Gemeinden gewarnt.

Zu den im J7-Bericht aufgeführten Attentaten zählt auch der Anschlag auf Yaron Lischinsky und seine Freundin Sarah Milgrim. Beide wurden am 21. Mai 2025 vor dem Capital Jewish Museum in Washington erschossen. IDEA hat vor wenigen Wochen mit dem älteren Bruder Hanan Lischinsky gesprochen.