08.04.2007
Mexiko: Kein Ende der Gewalt
Vertreibung der Christen in Chiapas
16. März 2007 (Open Doors) - In San Juan Chamula, 6,2 Meilen von San Cristobal de las Casas
im Bundesstaat Chiapas entfernt, haben bewaffnete Unbekannte am 31. Januar 2007 vier
evangelikale Christen von der Gemeinde "Growing in Grace" aus einem Hinterhalt überfallen
und dabei schwer verletzt.
Agustin Gomez (21), Carlos Perez Gonzalez (24), Andres Gomez (15) und Santos Jimenez
Perez (13) aus der Kommune Nich´Te waren auf dem Weg nach Hause. In San Juan Chamula
hatten sie Wasser geholt, weil es in ihrem Dorf kein Trinkwasser gab, als plötzlich Unbekannte
aus einem Hinterhalt auf sie schossen. Die Angreifer konnten unerkannt flüchten.
Zwei Brüder, Augustin Gomez und Carlos Perez, wurden im Krankenhaus in San Cristobal
behandelt. Carlos hatte fünf Schussverletzungen in der Brust. Sein Zustand ist ernst. Agustin
wurde nach der Behandlung seiner Schussverletzungen entlassen.
Die Männer erstatteten Anzeige und die für Indianergebiete zuständige Staatsanwaltschaft nahm
die Ermittlungen auf, um die mutmaßlichen Täter wegen schweren Überfalls und Mordversuchs
anzuklagen.
Kaziken verfolgen Evangelikale in Chiapas
In Chiapas kommt es immer wieder zu schlimmen Fällen religiöser Intoleranz. Das im Hochland
von Chiapas gelegene San Juan Chamula ist das Stadtgebiet mit der schwersten und längsten
Reihe von Verfolgung evangelikaler Indianer, die meistens von Kaziken, den mächtigen
kommunalen Oberhäuptern kommt. Kaziken praktizieren eine traditionelle Religion aus einer
heidnischen Mischung von römisch-katholischen Überzeugungen und der Religion der alten
Mayas.
Traditionelle Kaziken haben sich als besonders heftige Christenfeinde erwiesen. Sie glauben,
dass Protestanten die Kontrolle der Einwohner ihrer Dörfer durch die Kaziken untergraben
wollen. Wenn Dörfler Christen werden, hören sie normalerweise auf, Posh zu trinken – ein von
Kaziken hergestelltes alkoholisches Getränk. Die Christen nehmen dann auch nicht mehr an den
religiös-heidnischen Festen teil, was zu einem Einkommensverlust für die Kaziken führt.
In der Kommune Galeana der Gemeinde La Independencia wurden am 20. Januar 2007 neun
Evangelikale verhaftet, weil sie sich weigerten, sich finanziell an einem Fest der Kaziken am 8.
Mai zu beteiligen. Nach 24 Stunden ließ man die Christen frei, nachdem sie sich schriftlich
verpflichtet hatten, eine Geldbuße zu bezahlen, „die internen Abkommen" zu achten und zur
„sozialen Stabilität" der Kommune beizutragen. Der Country-Chef gestattete auch die
Wiedereröffnung der presbyterianischen Kirche "Jesus, der einzige Weg", nach ihrer
Zwangsschließung durch dieselben Kaziken.
In Huixtan wurden 65 Christen von den Kaziken des Ortes angewiesen, bis zum 6. Januar ihre
Häuser im Gebiet Los Pozos zu verlassen. Die Christen hatten es auch abgelehnt, die
traditionellen katholischen Feste mitzufinanzieren, an denen sie nicht mehr teilnehmen. „Sie
wollen uns ausweisen, weil wir zu ihren Festivitäten nichts beisteuern möchten", so Reynaldo
Gomez Ton, Pastor der Adlerflügel-Gemeinde.
Die Christen forderten das Eingreifen der Landesregierung sowie des Büros für religiöse
Angelegenheiten, um ihre Vertreibung zu verhindern. Die Regierung intervenierte bereits in
diesem Fall. Am 21. Januar verboten Kaziken den Evangelikalen jedoch, aufs Land zu gehen,
um Brennholz für ihre Häuser zu sammeln. Am 30. Januar bedrohten einige von ihnen mit
Hacken und Schaufeln die Christen vor ihren Häusern und unterbrachen die Wasserversorgung
für zehn evangelikale Familien.
Evangelikale Christen werden benachteiligt
Christen wird auch die für Bauern vorgesehenen Leistungen der Regierung aus dem ländlichen
Unterstützungsprogramm PROCAMPO verweigert. Das Programm sieht die Verteilung von
Düngemitteln und Unkrautvernichtern vor, um die Agrarproduktion und die Viehhaltung zu
verbessern. Nach Aussage von Pastor Gomez Ton hat der Bürgermeister von Huixtan, Javier
Martinez Vargas, „nichts unternommen, um die jetzige Bedrohung der Ausweisung zu
verhindern." Er habe sogar gesagt, dass „diese Handlung von den Sitten und Gewohnheiten der
Kommune von Los Pozos herrührt", und dass die Kaziken „die Religionsfreiheit, die
individuellen Rechte der Personen" beachten sollten. Pastor Gomez Tons Gemeinde ist schon
lange Zielscheibe von Angriffen. Vor 13 Jahren wurden er und zehn weitere Evangelikale,
darunter Frauen und Kinder, von Kaziken eingesperrt, und ihre Kirche ist zerstört worden. Auch
im Jahr 2003 zerstörte man die Kirche und 2005 wurden zwei Christinnen von Kaziken
vergewaltigt.
Der indianische Pastor gab dem früheren Stadtrat Delfino Mendez Ton Schuld an diesen
Verbrechen. Obwohl das in San Cristobal angesiedelte Bezirksbüro für Justiz bei Indianern eine
Ermittlung anordnete, „wurde nicht ermittelt und der Fall blieb straflos", sagte Pastor Gomez
Ton. Im Bemühen, Druck auf die Behörden auszuüben, damit es zu Gerechtigkeit und religiöser
Toleranz kommt, hat Open Doors die Verteidigung dieses Falles durch den Anwaltsrat sowie
Pastor Esdras Alonso unterstützt. Obwohl der Bezirksstaatsanwaltschaft im Hochland von
Chiapas eine Beschwerde über die Aggression offiziell vorgelegt wurde, ist sie nicht im Namen
des Rechts tätig geworden, das Religionsfreiheit in der Kommune gewährt und die Ungerechten
bestraft.