12.04.2007

Sri Lanka: Erneut vier Christen verschwunden

Im Konflikt zwischen Regierung und Rebellen verschwinden immer wieder<br />Menschen

Sri Lanka: Erneut vier Christen verschwunden

Im Konflikt zwischen Regierung und Rebellen verschwinden immer wieder
Menschen

BANGKOK, 19. März 2007 – In Sri Lanka werden seit 2. März ein Pastor und seine zwei Söhne
sowie ein weiterer Mann vermisst. Die vier waren auf dem Weg zu einer Bushaltstelle in
Negombo. Pastor Victor Emmanuel Yogarajan (51) von der Gospel Missionary Church in
Vavuniya hatte mit seinen Söhnen Daniel (22) und David (20) sowie dem 20-jährigen Joseph
Sugandakumar in Negombo übernachtet. Bislang hat die Polizei keinen Hinweis auf ihren
Aufenthaltsort. Ebenfalls am 2. März berichtete die Asiatische Menschenrechtskommission,
dass immer häufiger in Sri Lanka Menschen aus ungeklärter Ursache verschwinden. Auch das
Bürgerkomitee zur Beobachtung von Morden und Vermisstenanzeigen verzeichnete in den
letzten Monaten fast 100 Hinweise auf verschwundene Personen.
Auch viele katholische Priester sind verschwunden, darunter Pater Thiruchchelvan Nihal Jim
Brown (allgemein bekannt als Pater Jim Brown). Zusammen mit seinem Assistenten
Wenceslaus Vinces Vimalathas verschwand er am 20. August 2006, nachdem sie einen
Marinekontrollpunkt passiert hatten und von sechs bewaffneten Motorradfahrern verfolgt
wurden. Die Marine bestreitet, die beiden Männer verhaftet zu haben. Während eines
Kreuzfeuers zwischen Marineoffizieren und den LTTE starben 15 Zivilisten und mindestens 54
wurden verletzt. Viele Einwohner der überwiegend katholischen Gegend flüchteten in die
Kirche St. Philip Neri. Als die Kämpfe nachließen, half Pater Brown etwa 800 Menschen, in die
St.-Marienkirche einer Nachbarstadt umzuziehen. Zeugen sahen ihn am Kontrollpunkt auf den
Knien, um für eine sichere Ankunft zu beten. Laut Amnesty International warf der
kommandierende Marineoffizier Pater Brown kurz danach vor, den tamilischen Rebellen beim
Bau von Bunkern zu helfen. Pater Brown sagte, die Gemeindeglieder hätten Bunker gegraben,
um sich vor dem Beschuss und der Bombardierung des Kirchengeländes zu schützen. Pater
Brown war Nachfolger von Pater Amal Raj, der sich versetzen ließ. Am 13. Mai wurde in
diesem Dorf eine katholische Familie ermordet. Marineoffiziere hatten Raj zuvor bedroht.
Hintergrund:
Nach Zusammenstößen zwischen Regierungstruppen und tamilischen LTTE-Rebellen werden
häufig Personen vermisst. Nach Jahrzehnten der Diskriminierung durch die singhalesische
Mehrheit kämpfen die LTTE seit 1983 für ein tamilisches Heimatland im Norden und Osten der
Insel. Offiziell beobachten beide Seiten den im Februar 2002 unterzeichneten Waffenstillstand,
viele Beobachter beschreiben die Lage als bürgerkriegsähnlich. Vor Eintritt der Waffenruhe
hatte der Konflikt 65 000 Menschenleben gefordert. Zahllose Menschen flüchten in den
Nordosten. 10 000 Menschen flüchteten nach Angaben des Roten Kreuzes aus Lagern der
Regierung im östlichen Bezirk Batticaloa, wodurch sich die Zahl der Binnenflüchtlinge seit
November 2006 auf 105 000 Personen erhöht habe. Europäische Beobachter des
Waffenstillstands hingegen sprechen von mehr als 200 000 Binnenflüchtlingen. Im Februar trat
die nationalistische Buddhistenpartei Jathika Hela Urimaya (JHU) der Regierungskoalition bei.
Die JHU ist auch der Hauptträger eines Entwurfs für ein Zwangsbekehrungsverbot nach
indischem Vorbild. Der Entwurf liegt dem Parlament zur Beratung vor.
Compass Direct