02.06.2007

Eritrea: 5. Jahrestag des Erlasses zur Christenverfolgung - Tausende Gefangene Christen

IGFM: Regierung bestimmt Personalpolitik der Kirchen – Unterdrückung, Folter und Mord stehen auf der Tagesordnung

Eritrea: 5. Jahrestag des Erlasses zur Christenverfolgung - Tausende Gefangene Christen

IGFM: Regierung bestimmt Personalpolitik der Kirchen – Unterdrückung, Folter und Mord stehen auf der Tagesordnung

Asmara/Berlin (20. Mai 2007) – Eine Schreckensbilanz zieht die Internationale Gesellschaft für
Menschenrechte (IGFM) anlässlich des 5. Jahrestages des Beginns der Christenverfolgung in
Eritrea. Mit einem Regierungserlass vom 21. Mai 2002 setzte in der ostafrikanischen Republik
eine sich steigernde Verfolgung protestantischer Minderheitenkirchen ein, die sich in fünf
Jahren zu einer massiven Unterdrückung der Religionsfreiheit entwickelt hat.
Massenverhaftungen, Folter und die Tötung von Christen stehen auf der Tagesordnung. Aus
diesem Anlass appelliert die IGFM an EU-Ratspräsidentin Angela Merkel, zum fünften
Jahrestag des Erlasses beim eritreischen Staatspräsidenten Issayas Afwerki für die zahlreichen
inhaftierten Regime-Opfer und die Religionsfreiheit aller Gläubigen und Kirchen zu
intervenieren.
Am 21. Mai 2002 wurden per Erlass alle religiösen Gruppierungen, die nicht den orthodoxen,
katholischen, lutherisch-evangelischen und muslimischen Religionsgemeinschaften angehören,
in Eritrea geschlossen. Die rund viereinhalb Millionen Eritreer gehören jeweils ungefähr zur
Hälfte dem Christentum und dem Islam an. Seit Mai 2002 ist es zur massiven Verfolgung
protestantischer Minderheitenkirchen gekommen. Im Mai 2007 sind rund 2000 Christen
überwiegend aus protestantischen Freikirchen ohne Gerichtsverfahren aufgrund ihrer religiösen
Überzeugung in Haft. Sie werden massiv unter Druck gesetzt, Glaubensverzichterklärungen zu
unterschreiben. Zu den Gefangenen gehören dutzende Gemeindeleiter. Aufgrund schwerer
Misshandlungen starben seit Oktober 2006 drei Christen.
Seit Anfang 2006 weitet sich die Unterdrückung auch auf anerkannte Gruppen wie die
eritreisch-orthodoxe Kirche aus, deren regimekritischer Patriarch Abuna Antonios im Januar
2006 unter Hausarrest gestellt wurde. Kirchen werden neuerdings zur Abgabe von Kollekten
gezwungen und Geistliche zum Militärdienst eingezogen. Gegen das Kirchenrecht soll am
Pfingstsonntag Bischof Dioskoros von Mendefera als neuer eritreischer Patriarch eingeführt
werden. Auch Muslime, die die von der Regierung eingesetzten Muftis nicht anerkennen,
riskieren Freiheitsentzug.
IGFM appelliert an EU-Ratspräsidentin Merkel
Mit der faktischen Aufhebung der Religionsfreiheit verstößt Eritrea gegen den vor fünf Jahren ratifizierten internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und die Umsetzung der
Staatsverfassung von 1997. Die IGFM appelliert an EU-Ratspräsidentin Angela Merkel, zum
fünften Jahrestag des Regierungserlasses am 21. Mai beim eritreischen Staatspräsidenten Issayas
Afwerki für die zahlreichen inhaftierten Regime-Opfer und die Religionsfreiheit aller Gläubigen
und Kirchen zu intervenieren. Frau Merkel würde damit ein notwendiges Gegengewicht zu dem
kritiklosen und unterwürfigen Empfang des eritreischen Staatspräsidenten durch
EU-Entwicklungskommissar Louis Michel am 4. Mai in Brüssel setzen, so die IGFM.
Weitere Infos unter www.menschenrechte.de