20.06.2007

Indien/Überblick: Übergriffe auf Christen in mehreren Bundesstaaten

Indien/Neu-Delhi: Hindu-Weltrat unterstellt Missionaren wirtschaftliche Interessen
(13. Juni 2006) – Der Vishwa Hindu Parishad (VHP – Hindu-Weltrat) soll dem indischen
Präsidenten am 28. Mai eine Denkschrift mit dem Titel „Wirklichkeit bei behaupteten so
genannten tätlichen Angriffen auf christliche Missionare" unterbreitet haben. Darin werden
Ermittlungen gegen die Bekehrungsaktivitäten christlicher Missionare verlangt. Am 29. Mai
demonstrierten einige hundert Christen in Neu-Delhi gegen die Zunahme der anti-christlichen
Gewalt. Das Memorandum spricht von „wirtschaftlichem Interesse" der Missionare, die als
„Taliban" bezeichnet werden, und behauptet, sie verleumdeten Hindu-Organisationen.
Missionare hätten die „abstoßende, aggressive und imperialistische Absicht und Agenda, die
gesamte Menschheit zu christianisieren" und brächten aus dem Ausland Geld für Bekehrungen
mit illegalen Mitteln nach Indien.
Indien/Madhya Pradesh: Hindu-Nationalisten prügeln auf Pastor ein
(13. Juni 2007) – Etwa 25 Mitglieder des extremistischen Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS)
beschuldigten Pastor Bheem Singh aus dem Bezirk Khandwa am 3. Juni unethischer
Bekehrungen. Als der Pastor vom Sonntagsgottesdienst heimkam, riefen sie ihm abfällige
Bemerkungen gegen das Christentum hinterher und beleidigten seine Familienangehörigen.
Einige Stunden später störten RSS-Mitglieder im Bezirk Rajgarh einen Gebetsdienst. Sie
schlugen mit Händen und Fäusten auf Pastor Mukesh Pal ein, beschädigten Möbel,
Gesangbücher und Musikinstrumente und drohten den Gläubigen, wie ein örtlicher Informant
sagte, mit „schrecklichen Konsequenzen", falls sie die Gottesdienste weiter besuchen würden.
Sie warnten auch Pal vor der Abhaltung christliche Versammlungen in diesem Bezirk.
Indien/Orissa: Zwei Pastoren wegen Zwangsbekehrungsversuche verprügelt
(13. Juni 2007) – Nach Aussage von Dr. Sam Paul vom Gesamtrat indischer Christen wurden
im Bezirk Gajapati zwei Pastoren der Good Shepherd Community Church am 2. Juni von vier
Mitgliedern des extremistischen Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) überfallen. Die betrunkenen Extremisten, die aus einem Nachbardorf gekommen sein sollen, beschuldigten
Kanstantino Pariccha und Harish Chandra, „Zwangsbekehrungen" durchzuführen und schlugen
sie mit Bambusstöcken. Pariccha erlitt innere Verletzungen. Im Dorf, dessen Oberhaupt die
christliche Minderheit unterstützt, gibt es 17 christliche Familien. Die Pastoren wollen die
Angreifer nicht anzeigen, sondern einen Kompromiss mit ihnen erreichen, und haben laut Dr.
Paul die Polizei um Mithilfe gebeten.
Indien/Uttar Pradesh: Hindus bekehren einen Christen gegen seinen Willen
(13. Juni 2007) – Im Bezirk Ballia stürmten 60 Angehörige des Hindu Jagran Manch (HJM bzw.
Erweckungsforum der Hindus) am 29. Mai in ein Dorf und drohten Mitgliedern der Believers´
Church in India (BCI), ihre Häuser anzuzünden, wenn sie nicht aufhören, Gott anzubeten. Einen
christlichen Dalit bekehrten sie symbolisch zurück zum Hinduismus. Sie besprengten ihn mit
Wasser des von Hindus als heilig betrachteten Flusses Ganges. Die Polizei schritt ein und nahm
Anzeige gegen die Angreifer auf; zu einer Festnahme kam es jedoch nicht.
Indien/Himachal Pradesh: Zwei Missionare zu Hindu-Ritualen gezwungen
(13. Juni 2007) – Am 23. Mai griffen 40 RSS-Extremisten die beiden Mitarbeiter der
Transfiguration Missionary Society (TMS) Bernard Christopher und Ravinder Gautam an und
bedrohten sie mit dem Tode, falls sie die Stadt Kullu nicht verlassen würden. Die beiden
Missionare wurden geschlagen und man rasierte ihre Köpfe, so dass nur ein kleines Haarbüschel
stehen blieb, was als Hindu-Ritual für Christen beleidigend ist. Dr. Sajan K. George vom
Gesamtrat indischer Christen (GCIC) zufolge mussten Christopher und Gautam noch aus dem
Ganges trinken, einen Hindu-Tempel reinigen und einen falschen Bericht über ihre Aktivitäten
schreiben. Sie wollten keine Anzeige erstatten und haben Kullu verlassen.
Indien/Maharashtra: Evangelist bedroht
(13. Juni 2007) – Extremisten des Vishwa Hindu Parishad (VHP) sowie Bajrang Dal überfielen
den Mitarbeiter der Good News Fellowship Joseph D. Baptist, als er am 26. Mai auf einem
Bahnsteig in Mumbai (Bombay) evangelistische Schriften verteilte. Man nahm ihm die
Schriften weg, ohrfeigte ihn und schleppte ihn zur Bahnpolizei. Dr. Sajan K. George vom
Gesamtrat indischer Christen (GCIC) zufolge hatte Baptist einem Mann gerade eine Schrift und
ein Buch gegeben, als die Extremistengruppe hinzukam und ihn der versuchten
Zwangsbekehrung beschuldigte. Da sich die Bahnpolizei in religiösen Sachen für nicht
zuständig erklärte, brachte die Gruppe Baptist unter Schlägen zur Polizeiwache von Mulund und
erstattete dort Anzeige. Nach einigen Stunden auf der Wache wurde der Christ am Abend
wieder entlassen.
Indien/Maharashtra: Christen wegen Zwangsbekehrungen angezeigt
(13. Juni 2007) - Etwa 50 RSS-Mitglieder versuchten in Mulund am 24. Mai ein dreitägiges
Treffen von Christen aus Pfingstgemeinden zu verhindern, indem sie sich vor dem Tagungsort
versammelten. Sie warfen den Organisatoren vor, die Veranstaltung dazu zu benutzen, Hindus
zum Christentum zu bekehren. Die Angreifer drohten, alle Teilnehmer zu verprügeln. Dann
erstatteten sie Anzeige nach Abschn. 149 des indischen Strafrechts (Bildung einer
ungesetzlichen Versammlung und Aufruhr). Dr. Mathai von der Minderheitenkommission
erstattete Gegenanzeige nach demselben Paragraphen, und die Versammlung durfte abgehalten werden. Die Lage war jedoch gespannt und die Beteilung schlecht, weil die Menschen Angst
hatten.
Indien/Maharashtra: Nach Gebetstreffen wurden Christen angriffen
(13. Juni 2007) – Etwa 20 Mitglieder des extremistischen Vanvasi Kalyan Parishad (VKP bzw.
Wohnfahrtsrat der Waldbewohner) attackierten am 25. Mai im Bezirk Thane die beiden
Christen Jeepar L. Tumada und Ramesh D. Dilat. Die Christen kehrten von einem Gebetstreffen
zurück. Wie der Informationsdienst Compass Direct von Dr. Abraham Mathai, dem
stellvertretenden Vorsitzenden der Minderheitenkommission dieses Landes, erfuhr, greifen
rechtsradikale VKP-Aktivisten oft Christen aus Stämmen in entlegenen ländlichen Gebieten an.
Ihr Vorwand: Die Bewahrung der traditionellen Religion und Gesellschaft. Tumada und Dilat
haben Anzeige erstattet.
Indien/Karnataka: Mitarbeiter einer Kinderbibelschule schwer verletzt
(13. Juni 2007) – Extremisten vom Vishwa Hindu Parishad (Hindu-Weltrat) attackierten am 22.
Mai fünf christliche Mitarbeiter der Church of South India (CSI) bei einer Preisverleihung der
Ferienbibelschule für Kinder im Bezirk Kolar. Die Angreifer schleppten die fünf Christen, die
innere Verletzungen erlitten haben, zur Polizei. Dort wurden sie der Zwangsbekehrung von
Hindus beschuldigt.
Compass Direct