22.06.2007
Sri Lanka: Drei Christen sollen buddhistische Statuen zerstört haben
Direktor und zwei Dozenten eines theologischen Seminars verhaftet
Sri Lanka: Drei Christen sollen buddhistische Statuen zerstört haben
Direktor und zwei Dozenten eines theologischen Seminars verhaftet
DUBLIN, 8. Juni 2007 – In Sri Lanka wurden am 27. Mai der Direktor und zwei Dozenten
eines theologischen Seminars verhaftet. Ein Mönch eines buddhistischen Tempels hatte
behauptet, die Christen hätten zwei Statuen zerstört. Angeblich soll es zwei Augenzeugen
geben. Den Vorwurf weisen die Christen von sich. Inzwischen wurde Pastor Suresh
Ramachandran, der Direktor des theologischen Berg-Karmel-Colleges in Kandy aufgrund
seines eindeutigen Alibis auf Kaution freigelassen. Pastor Christian Velu Selvarajah und
Stephen Thomas sind noch in Haft, berichtete der Nationale Evangelische Christenverband
Sri Lankas (NCEASL). Wütende Demonstranten hatten vor dem College protestiert. Direkte
Angriffe auf Mitarbeiter und Studenten konnte die Polizei verhindern. Buddhistische
Autoritäten reagierten empört auf die Haftentlassung Ramachandrans. Nach Drohungen riet
ihm die Polizei zu Vorsichtsmaßnahmen. Auch lokale Medien berichten über den Vorfall.
Kirche abgebrannt
Im Bezirk Puttlam brannte am 12. Mai in den frühen Morgenstunden die Prayer Tower
Church [Gebetsturmkirche] ab. Die Ermittlungen der Polizei haben bislang zu keiner Festnahme geführt. Aufgrund steigender Konversionen von Buddhisten zum Christentum
setzten im Jahr 2002 buddhistische Mönche zur Gegenwehr an. Es kam zu einer Welle
gewaltsamer Anschläge auf christliche Kirchen. Bis Ende Mai 2006 hat der NCEASL von
mindestens 160 Angriffen berichtet.
Hintergrund:
Im November 2002 versprach der Minister für Angelegenheiten der Hindukultur die
Einführung eines Antibekehrungsgesetzes ähnlich den teilweise geltenden Gesetzen in Indien.
Leitende buddhistische Mönche unterstützten den Plan. Dem Parlament liegen derzeit zwei
Entwürfe für ein Antibekehrungsgesetz vor, doch der erneute Ausbruch des Konflikts
zwischen der Regierung und den tamilischen Befreiungstigern, die für einen unabhängigen
Tamilenstaat im Norden Sri Lankas kämpfen, hat den Gesetzgebungsprozess gestoppt.
Von den 20 Millionen Einwohnern sind 72 Prozent Buddhisten, 12 Prozent Hindus, acht
Prozent Muslime und 7,6 Prozent Christen. In Sri Lanka herrscht ein religiös motivierter
Nationalismus, der von extremistischen Buddhistenführern geschürt wird. Laut Aussagen der
Evangelischen Allianz Sri Lankas werden Kirchen fast wöchentlich angegriffen oder bedroht.
Christen beklagen, dass die Regierung bei derartigen Zwischenfällen „schon zu lange ein
Auge zudrückt“. Die National Christian Evangelical Alliance of Sri Lanka hat Regierung und
Strafverfolgungsbehörden aufgefordert, das Recht jedes Bürgers auf Religionsfreiheit aktiv zu
unterstützen. In den vergangenen Jahren verübten buddhistische Extremisten Anschläge auf
Kirchen, Christen werden bedroht und schikaniert. 2005 hat sich die Lage verschärft. Kirchen
werden Baubewilligungen und die Registrierung verweigert, christliche Beerdigungen
verboten. Im Süden fielen 30 Männer über eine Missionarin und ihre Mitarbeiterinnen her,
um sie zu vertreiben. In den buddhistischen Medien werden Christen verleumdet. Es heißt, sie
würden Kinder entführen oder Arme mit Geld zum Christentum verlocken.
Compass Direct