22.06.2007
Turkmenistan: Behörden machen Druck auf Christen
Aschgabad/Minsk, 20.05.2007 (idea) In mehreren Nachfolgestaaten der ehemaligen
Sowjetunion schüchtern die Behörden evangelische Gemeinden gezielt ein. In der
zentralasiatischen Republik Turkmenistan wurde Anfang Mai ein Baptisten zu drei Jahren
Arbeitslager verurteilt. Wie der Informationsdienst „Forum 18“ (Oslo) berichtet, war
Vyacheslav Kalataevsky vor sechs Jahren wegen „religiöser Umtriebe" des Landes verwiesen
worden. Er hatte Treffen und Gebetsrunden für Baptisten organisiert. Später sei er illegal
wieder ins Land eingereist, was zu seiner erneuten Verhaftung geführt habe. In Turkmenistan
ist jegliche religiöse Aktivität nicht registrierter Gruppen verboten. Der Rat der Baptistischen
Kirchen hatte sich geweigert, seine Geistlichen registrieren zu lassen, um eine ständige
Überwachung durch die Geheimpolizei zu vermeiden. Von den 4,9 Millionen Einwohnern
Turkmenistans sind 92 Prozent Moslems, drei Prozent Christen und fünf Prozent
nichtreligiös.
Mission gefährdet angeblich nationale Sicherheit
Auch Weißrussland geht gegen Protestanten vor. Der Pole Jaroslaw Lukasik, Mitglied einer
Pfingstgemeinde, muss das Land bis zum 7. Juni verlassen, weil seine missionarischen
Aktivitäten angeblich die nationale Sicherheit gefährden. Er störe die Beziehungen zwischen
den Kirchen, so die von „Forum 18“ veröffentlichte offizielle Begründung. Verstöße gegen
Gesetze habe man ihm aber nicht nachweisen können. Lukasik, der seit 1999 in der Nähe von
Minsk wohnt, ist mit einer Weißrussin verheirat und hat drei kleine Kinder. Bereits im März
hatten die Behörden den US-Amerikaner Travis Decker des Landes verwiesen. Dem
Baptisten war ebenfalls vorgeworfen worden, die Bevölkerung negativ zu beeinflussen und
dadurch die nationale Sicherheit zu gefährden. Etwa 80 Prozent der zehn Millionen
Einwohner gehören zur orthodoxen Kirche, zwölf Prozent zur römisch-katholischen Kirche,
und zwei Prozent sind Protestanten. Die größten evangelischen Kirchen sind Pfingstler (rund
500 Gemeinden) und Baptisten (rund 300 Gemeinden). Daneben gibt es charismatische,
adventistische und lutherische Gemeinden.