09.11.2007
Pakistan: Muslime entschuldigen sich für Angriff auf Kirche
Christen dürfen nicht in muslimischen Läden einkaufen
Pakistan: Muslime entschuldigen sich für Angriff auf Kirche
Christen dürfen nicht in muslimischen Läden einkaufen
ISTANBUL, 29. Oktober 2007 - Muslime haben sich für einen Angriff auf eine Kirche in
Pakistan bei den Christen entschuldigt. Wie der Informationsdienst Compass Direct berichtete,
wurde am 12. Oktober auch die Polizeiwache, die zum Schutz der Christen vor der Kirche
stationiert war, abgezogen. Am 10. Oktober hatte eine Gruppe von 300 Muslimen gegen sechs
Uhr morgens die 1947 erbaute Neuapostolische Kirche mit Viehmist beworfen und die
Leitungen der Lautsprecher durchtrennt. Muslimische Geistliche riefen zudem von den acht
Moscheen der Stadt zum Dschihad (Heiliger Krieg) gegen die christlichen „Ungläubigen" auf.
Sie forderten die Christen in Gowindh, einem Ort mit 10 000 Einwohnern östlich von Lahore an
der Grenze zu Indien, auf, zum Islam zu konvertieren oder bereit zu sein „zu kämpfen oder zu
sterben." Compass Direct berichtete weiter von einem Ausschluss der christlichen Minderheit
mit ca. 300 Christen. Sie durften weder in muslimischen Läden einkaufen und noch zum Arzt
gehen, da die Ärzte des Ortes Muslime sind. Menschenrechtler fanden heraus, dass die Muslime
erbost waren, weil die Gemeinde über Lautsprecher täglich zu ihrer Gebetsversammlung um
sechs Uhr morgens einlud. Einem Zeitungsbericht zufolge sollen sie monatelang darum gebeten
haben, dies einzustellen, da es den ersten der fünf täglichen Gebetsrufe des Islam störe. Der
findet bereits gegen fünf Uhr statt. Der Zeitung gegenüber gestand ein einflussreicher Muslim
nur das Durchschneiden der Lautsprecherleitungen ein und behauptete: „Wir hegen keinen Groll
gegen die Christen."
Keine Anklage gegen Angreifer
Ein Informant, der ungenannt bleiben wollte, sagte, ein Muslim, der kurz zuvor aus einem
Trainingslager militanter Extremistengruppen in Kaschmir zurückgekehrt sei, habe zu Gewalt
gegen Christen aufgehetzt, indem er Einwohner davon überzeugte, die Christen des Ortes seien
Agenten der USA, die daran arbeiten würden, Muslime zum Christentum zu bekehren. Unter
Mitwirkung der Polizei versprachen Vertreter der muslimischen Gemeinde schließlich, den
Handelsboykott zu beenden. Wie die Union für katholische Asiennachrichten (UCAN) meldete,
unterzeichneten muslimische Führer am 12. Oktober die Erklärung: „Wir entschuldigen uns bei
den Christen für die Entweihung der Kirche und die Verletzung ihrer religiösen Gefühle."
Gegen die Angreifer der Kirche oder diejenigen, die zum Heiligen Krieg bzw. zum Boykott
gegen Christen aufgerufen hatten, ist keine Anklage erhoben worden. Die Lautsprecher der
Kirche sind inzwischen wieder in Betrieb.
Muslime entschuldigen sich bei Christen
Einige Christen wurden im Juni verletzt und christliche Literatur vernichtet, als Muslime gegen
eine Kirche nördlich von Faisalabad vorgingen. Die Gemeinde hatte die Genehmigung zum
Gebrauch eines Lautsprechers erhalten, um an dem Abend zu evangelistischen Versammlungen
einzuladen. Bei einer außergerichtlichen Einigung entschuldigten sich die Angreifer und wurden
für die Gewalttaten nicht angeklagt. Im Mai gestanden zwei Koranschüler einer nordwestlichen
Grenzstadt, Verfasser von anonymen Drohungen gegen Christen gewesen zu sein. Mindestens
50 Christen waren geflüchtet, als sie aufgefordert wurden, zum Islam zu konvertieren oder
ansonsten Opfer von Selbstmordattentaten zu werden. Am 4. Juni vergab die christliche
Gemeinschaft den beiden Koranschülern, die die Drohungen als Scherz verstanden. Nach dem
Bericht des US-Außenministeriums von 2007 machen Christen ca. 1,5 Prozent der Bevölkerung
Pakistans aus.
Compass Direct/OpenDoors