19.11.2007
Kosovo: UNESCO-Welterbe-Kirche im Kosovo beraubt
PRIZREN / KOSOVO-METOHIJA 1.11.2007, SOK - Ganze 50 Quadratmeter
Bleibedachung wurden von der serbischen orthodoxen Gottesmutter-Kirche (Bogorodica
Ljeviska, 14. Jahrhundert) in Prizren gestohlen: Das stellten Anfang der Woche Experten des
serbischen Ministeriums für Kultur fest. Das Gleiche passierte auch an der Kirche der Hl.
Kyriake in Prizren: Dort wurden 15 Quadratmeter Bleibedachung entwendet. Der Schaden
wird auf insgesamt 12.000 EUR geschätzt. Es ist unklar, wann die Diebstähle stattgefunden
haben.
Die beiden Kirchen befinden sich im Aufbauprozess. Sie waren bei den Massenausschreitungen
der Albaner im März 2004 angegriffen und stark beschädigt worden. Im Jahre 2005 begann ihr
Wiederaufbau im Rahmen eines Programms des Europarats. Seitdem wurden die
Bleibedachungen von den Kirchen schon einmal gestohlen: Im Herbst 2005 von der
Gottesmutter-Kirche und Anfang dieses Jahres von der Kirche der Hl. Kyriake. Die
Gottesmutter-Kirche in Prizren steht seit 2007 auf der UNESCO-Liste des Welterbes.
In einer ersten Reaktion verurteilte Bischof Teodosije von Lipljan, Vikarbischof der Diözese
von Raszien-Prizren und Beauftragter der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) für den
Wiederaufbau von Heiligen Stätten im Kosovo-Metohija, die Tat aufs Schärfste. Offensichtlich
habe man, trotz aller Appelle und Anträge, dass die serbischen orthodoxen Kirchen,
insbesondere die Gottesmutter-Kirche in Prizren, geschützt werden, diese nicht adäquat
geschützt. Bischof Teodosije sagte, die neulich stattgefundenen Vorfälle in Prizren und auch in
Gnjilane weisen auf "ernsthafte Versäumnisse" der internationalen Mission und der
kosovarischen Institutionen hin, die es offensichtlich nicht ernst genommen haben, dass die
Angriffe auf das christliche Kulturerbe aufhören und die bedrohten Objekte auch adäquat vor
weiteren Übergriffen und Raub geschützt werden müssen, so Bischof Teodosije von Lipljan.
Der Pressesprecher der kosovarischen Polizei, Veton Eljsani, informierte inzwischen Bischof
Teodosije, dass die Ermittlungen aufgenommen worden seien sowie dass die Polizei mehrere
verdächtige Orte durchsucht habe. Die Polizei denkt, dass es um Diebstähle mit
ökonomischem Motiv handelt. Der kosovarische "Minister für lokale Selbstverwaltung", Ljufti
Haziri, hat aus Anlass des Vorfalls im Namen der Interim-Verwaltung des Kosovo-Metohija
sein Bedauern geäußert und versprochen, dass seine Regierung alle Reparaturen aus eigenen
Mitteln finanzieren werde.
(ID SOK ME)