05.09.2007

Pakistan: Christen erhalten Drohbriefe von Muslimen, zum Islam zu konvertieren

Trotz Polizeischutz sind religiöse Minderheiten in Angst

Pakistan: Christen erhalten Drohbriefe von Muslimen, zum Islam zu konvertieren

Trotz Polizeischutz sind religiöse Minderheiten in Angst

 

ISTANBUL, 29. August 2007 - In Nordpakistan erhielten Christen und Hindus Drohbriefe, in
denen sie aufgefordert werden, zum Islam zu konvertieren andernfalls würden sie sterben. Das
wurde aus Kirchen- und Polizeikreisen am 15. August bekannt. Die Polizei sorgte für
Polizeischutz für Kirchen und Tempel, während Christen eine neue Frist für ihren Übertritt zum
Islam erhielten, nachdem das ursprüngliche Ultimatum am 10. August verstrichen war. Die
Minderheiten in Peschawar leben weiter in Angst. „Wir haben es erlebt, dass unsere christlichen
Viertel von Extremisten angegriffen wurden; deshalb nahmen wir das sehr ernst", hieß es bei der
Church of Pakistan (COP), der größten protestantischen Kirche des Landes. Im November 2005
zerstörte eine Gruppe von mehreren tausend Muslimen in der Stadt Sangla Hill vier Kirchen, ein
Kloster sowie christliche Schulen, als ein Muslim einen Christen der Blasphemie bezichtigt
hatte. Rechtlich belangt wurde bislang niemand. Nach Aussage des COP-Sprechers sind einige
Schreiben am 7. August in die Höfe der Häuser von Christen und Hindus der Bezirke Kohati,
Innenstadt und Cantonment von Peschawar, 150 km westlich von Islamabad, geworfen worden.
Andere Briefe wurden an katholische und protestantische Gemeinden von Peschawar geschickt.
Man habe etliche Schreiben einsammeln können, doch da sie in dicht bewohnten Ortsteilen
zugestellt wurden, wo Familien aus Minderheiten in kleinen Häusern rund um einen
gemeinsamen Hof wohnen, haben sie wahrscheinlich über 100 Christen und Hindus erreicht. In
einem an einen COP-Geistlichen gesandten Brief heißt es: „Unsere Moscheen und Kinder
werden auf Befehl der Amerikaner zu Märtyrern. Deshalb werden auch die Kirchen von der
Erdoberfläche ausradiert." Daraufhin verstärkte die Polizei ihre Sicherheitsmaßnahmen im
Umkreis von Kirchen und anderen religiösen Stätten. Der städtische Polizeichef bestätigte dem
Informationsdienst Compass Direct am 15. August, die Vorgänge.
Drohungen seien nicht ernst gemeint
Nach einem Bericht der englischsprachigen Tageszeitung „Dawn“ verlas ein christlicher
Abgeordneter den Text eines Drohbriefes vor dem pakistanischen Parlament und forderte die
Regierung auf, die bei den Christen Peschawars erzeugte Unsicherheit zur Kenntnis zu nehmen.
Der Parlamentspräsident habe die Angelegenheit aber auf die leichte Schulter genommen. Auch
der Polizeipräsident geht davon aus, dass die Drohungen nicht ernst gemeint seien; ein ähnlicher
Vorfall im Mai hatte sich als Streich von Jugendlichen herausgestellt. Über 50 Christen waren
aus ihrem Dorf geflohen, als ein christlicher Lokalpolitiker einen Brief mit einer Todesdrohung
erhielt, falls die christliche Gemeinschaft den Islam nicht annehmen würde. Schließlich
gestanden zwei Schüler einer islamischen Schule die Tat. Ihnen wurde am 4. Juni bei einem
Treffen muslimischer Religionsführer, von Regierungsbeamten und dem COP-Bischof
vergeben, doch mindestens fünf geflüchtete Familien sind noch nicht wieder zurückgekehrt.
Katholischer Priester bedroht
Dem katholischen Priester Yousaf Amanat aus Peschawar ging der Brief, bis Dienstag, dem 14.
August, zum Islam zu konvertieren, per Post zu. „Man hatte geschrieben, dass wir umgebracht
würden, falls wir nicht Muslime werden und wir seien Freunde des US-amerikanischen Volkes".
Der Priester kann sich einen Zusammenhang zwischen den Drohbriefen und der Bemerkung
eines US-Präsidentschaftskandidaten vorstellen, der die Drohung eines Vergeltungsschlages
gegen Mekka und Medina für das beste Mittel zur Abschreckung eines terroristischen
Atomangriffs auf die Vereinigten Staaten hält. Viele pakistanische Muslime assoziieren
pakistanische Christen ihrer Religion wegen mit dem Westen. Ein Menschenrechtsaktivist aus
dieser Region sagte Compass Direct, der katholische Gottesdienstbesuch sei am Sonntag nach
der Drohung um 40 Prozent gefallen. Auch Amanat musste etliche kirchliche Aktivitäten
absagen und Gottesdienste ausfallen lassen.
Von den 165 Millionen Einwohner Pakistans sind 96 Prozent Muslime, 1,5 Prozent Hindus und
2 Prozent Christen.
Compass Direct/OpenDoors