22.09.2007
Türkei: Patriarchen-Titel "Allheiligkeit" ist nicht strafbar
Türkische Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen gegen US- amerikanische Offiziere ein
Türkei: Patriarchen-Titel "Allheiligkeit" ist nicht strafbar
Türkische Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen gegen US- amerikanische Offiziere ein
Istanbul/Türkei, 30.08.2007 (KAP/APA/WZ/APD) US-amerikanische Offiziere haben sich in
der Türkei nicht strafbar gemacht, als sie den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.
von Konstantinopel zu einem Empfang auf einem Kriegsschiff im Bosporus als "Seine
Allheiligkeit" willkommen hießen. Zu diesem Erkenntnis kam laut Kathpress die
Staatsanwaltschaft in Istanbul, die laut türkischen Medienberichten vom Donnerstag
entsprechende Ermittlungen einstellte. Dem Oberhaupt der Weltorthodoxie gebührt die
Anrede "Panagiotatos" (Allheiligkeit).
Die türkische Anklagebehörde hatte gegen die Besatzung des US-Kriegsschiffes "USS
Donald Cook" ermittelt, auf dem der US-Botschafter in der Türkei, Ross Wilson, im Juli
einen Empfang für den Ökumenischen Patriarchen gegeben hatte. Die Besatzung hängte zur
Begrüßung ein Schild mit der Aufschrift "The Honorable Ross Wilson, US Ambassador to
Turkey - His All Holiness Bartholomew I" auf. Damit rief sie türkische Sicherheitskräfte auf
den Plan, die auf dem Kai ein penibles Protokoll aufnahmen und die Justizbehörden
einschalteten. Weil der "Verdacht" bestand, dass Bartholomaios I. damit seinen Anspruch auf
den von der Türkei nicht erlaubten Titel "Ökumenischer Patriarch" bekräftigen wolle, nahm
die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf. Die Gutachten hätten nun ergeben, dass "His All
Holiness" im Gegensatz zur Bezeichnung "ökumenisch" nicht strafbar sei.
Das Oberste Berufungsgericht der Türkei hatte dem Patriarchen in einem Grundsatzurteil im
Juni das Recht abgesprochen, den Titel "ökumenisch" zu führen. Die EU-Kommission hatte
in ihrer Kritik an fehlenden Fortschritten bei der Überwindung der Schwierigkeiten
nichtmuslimischer Religionsgemeinschaften die türkische Regierung aufgefordert, den
Ökumenischen Patriarchen in der Ausübung seiner gesamtorthodoxen Verpflichtungen nicht
weiter zu behindern. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Untergang des Osmanischen
Reiches war der Verbleib des Patriarchats an seinem angestammten Sitz im Phanar durch den
Lausanner Vertrag (1923) zwischen den Siegermächten und der Türkei völkerrechtlich
abgesichert worden. Ankara negiert aber die panorthodoxe Rolle des Patriarchen und hat
Bartholomaios unter dem Vorwurf der "Amtsanmaßung" sogar gerichtlich verfolgt.