16.04.2008
Ägypten: Religionswechsel lebensgefährlich
Als Christ in die Ferien nach Ägypten zu reisen, ist in der Regel unproblematisch. Einheimische Christen jedoch, die früher Muslime waren, haben erhebliche Probleme.
Ägypten: Religionswechsel lebensgefährlich
Als Christ in die Ferien nach Ägypten zu reisen, ist in der Regel unproblematisch. Einheimische Christen jedoch, die früher Muslime waren, haben erhebliche Probleme.
CSI/ms - 28.1.2008 - Mohammed Ahmed Hedschasi (englische Schreibweise Hegazy - Anm.d.Red.), 24, gebürtiger Muslim aus der Stadt Port Said, trat als 16-Jähriger vom Islam zum Christentum über. Damals wurde er drei Tage gefoltert. Später hielten ihn die Behörden während zwei Wochen in einem Gefangenenlager fest. Trotz seines Religionswechsels stand in seinen Identitätspapieren nach wie vor der Eintrag "Muslim".
Später heiratete Hedschasi; heute ist seine Frau Zeinab schwanger. Nach islamischem Recht gilt jedes Kind eines "muslimischen" Vaters als Muslim. Hedschasi weiss, dass es ohne staatliche Anerkennung seines Religionswechsels, keinem seiner Kinder jemals gestattet sein wird, getauft zu werden, eine Kirche zu besuchen, christlichen Unterricht zu erhalten oder christlich zu heiraten und bestattet zu werden. Um seinen Nachkommen das Leben zu erleichtern, beantragt Hedschasi am 2. August 2007 bei den Behörden, dass in seinen öffentlichen Dokumenten seine Religionszugehörigkeit von "Muslim" auf "Christ" abgeändert wird. Doch bis heute ignorieren die Behörden sein Gesuch. Obwohl die ägyptische Gesetzgebung offiziell die Religionsfreiheit gewährt, ist Hedschasi leider kein Einzelfall.
Festgenommen und eingeschüchtert
Zwei ägyptische Menschenrechtler, Dr. Adel Fawzy Faltas und Peter Ezzat Mounir von der "Middle East Christian Association" (MECA), werden auf Hedschasi aufmerksam. Sie veröffentlichen Informationen über seinen Fall. Am 8. August wirft die Staatssicherheit den beiden Christen vor, Hedschasis Übertritt vom Islam zum Christentum veranlasst zu haben, und nimmt sie fest. Erst nach internationalen Protesten werden sie am 5. November freigelassen. Im Oktober 2007 bringt Hedschasi seinen Fall vor ein Kairoer Gericht. Jedoch setzen islamische Extremisten Hedschasis Anwälte, Mamdouh Nakhia und Rawda Ahmad, derart unter Druck, dass sie ihr Mandat niederlegen. Mitte Oktober verwüsten Extremisten die Wohnung von Hedschasi und seiner Familie in der Kairoer Altstadt. Heute lebt die Famile im Untergrund.