17.04.2008

Bosnien: Katholische Kirche im Visier des Terrors

AKREF/JJ, 12.4.2008  ISN Security Watch (Zürich) berichtet: Am 20. März verhaftete die Antiterroreinheit der Föderation von Bosnien Herzegowina fünf Männer: Rijad Rustempasic, Muhamed Meco, Abdulah Handzic und Edis Velic, alle aus Sarajevo, sowie Muhamed Ficer aus Bogojno, der nach einer Befragung wieder freigelassen wurde. Die vier in Sarajewo Verhafteten waren Mitglieder der lokalen Wahabitischen Bewegung, einer streng islamischen Bewegung mit Wurzeln in Saudi Arabien, die auch von dort finanziert wird. Einige der Verdächtigen waren der Polizei bereits wegen ihrer radikalen Aktivitäten gut bekannt. Die Gruppe war mehrere Monate lang von der Antiterroreinheit und von der Staatsanwaltschaft überwacht worden. Die Verdächtigen verfügten über Waffen, Panzerabwehrminen, Nachtsichtgeräte, elektronische Geräte und Anleitungen zum Herstellen von Bomben. Sie standen in sehr guter Verbindung mit Wahabiten in Westeuropa, von denen sie finanzielle Unterstützung erhielten.

Die Antiterroreinheit und die Staatsanwaltschaft der bosnischen Föderation hat eindeutige Hinweise, dass die von Rustempasic angeführte Gruppe Anschläge auf katholische Kirchen, insbesondere die Kathedrale von Sarajevo und das Franziskanerkloster Fojnica und Einrichtungen der europäischen Schutztruppe EUFOR plante.

Ein Angehöriger der bosnischen Polizei, der anonym bleiben möchte, erklärte gegenüber ISN, der Hauptverdächtige Rustempasic sei einer der bekanntesten radikalen und gewaltbereiten Islamisten in Bosnien und wäre nur noch dank der Toleranz der lokalen Behörden an seinen früheren Wohnort Bugojno in Freiheit. Etwas relativiert wird diese Aussage durch die Tatsache, dass Rustempasic bereits seit 4 Jahren in Sarajewo lebt. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurde eine in einem Buch versteckte Sprengfalle gefunden. Abgesehen vom Schwarzmarkt im Land bezieht Rustempasic bzw. seine Gruppe Sprengstoff unter anderem durch das Ausgraben von Panzerabwehrminen an den ehemaligen Frontlinien des Bosnienkriegs. Eine dieser alten Minen liefert 3 kg Sprengstoff. Seine Fähigkeiten im Bombenbauen erwarb Rustempasic vermutlich im Bosnienkrieg, wo er in der offiziell der bosnischen Armee unterstellten El Mujahid Einheit an der Seite von ausländischen Kämpfern aus verschiedenen islamischen Staaten diente. Danach fiel der durch Drohungen gegen in Gebiete mit moslemischer Mehrheitsbevölkerung zurückgekehrte bosnische Kroaten auf. Bereits 2004 wurde er von SFOR Truppen wegen illegalem Waffenbesitzes festgenommen und zu 5 Monaten bedingter Haft verurteilt. Er war damals im Besitz von 5 kg Sprengstoff. Bei Razzien an sechs Orten wurden auch jetzt Waffen gefunden, die meisten davon in Rustempasics Wohnung.

Laut Aussagen des freigelassenen Verdächtigen Ficer ist Rustempasic, ebenso wie die anderen Verdächtigen, arbeitslos und von der finanziellen Unterstützung durch in Österreich lebende „Brüder“ (= Wahabiten) abhängig. Der festgenommene Verdächtige Edis Velic hat ebenfalls eine gewalttätige Vergangenheit. Er hat einige Zeit in Tschetschenien gekämpft. Seinen Arbeitsplatz bei einem Wachdienst verlor er 2007, weil er dem Besitzer eines Altwarenladens in die Beine schoss.

Die katholische Kirche scheint nicht nur durch die Taufe des Konvertiten Megdi Allam durch Papst Benedikt den Zorn radikal islamischer Kreise auf sich gezogen zu haben. Bereits 10 Tage vor der Taufe Allams hatte Osama bin Laden in einer Botschaft Papst Benedikt als einen Führer im „neuen Kreuzzug“ gegen den Islam bezeichnet.

Quellen: ISN Security Watch, WEA-RLC. Deutsche Fassung ÖEA.