17.12.2008

Indien: Christen verunsichert - Blutiges Weihnachten?

Der Bundesstaat Orissa verbietet Demonstrationen hinduistischer Extremisten

Indien: Christen verunsichert - Blutiges Weihnachten?

Der Bundesstaat Orissa verbietet Demonstrationen hinduistischer Extremisten

N e u D e l h i / G ö t t i n g e n (idea)- 17.12.08 – Mit Furcht und Zittern sehen Christen im indischen Bundesstaat Orissa Weihnachten entgegen. Ihren Befürchtungen, dass es über die Feiertage zu weiteren blutigen Ausschreitungen hinduistischer Extremisten kommt, sind staatliche Institutionen entgegengetreten.

Die Bundesregierung in Neu Delhi hat die Landesregierung von Orissa gedrängt, weitere Übergriffe zu verhindern. Orissas Regierung in Bhubaneswar untersagte daraufhin einen von Hindu-Extremisten geplanten Generalstreik am 25. Dezember. Er hätten Anlass zu Ausscheitungen geben können. Orissas Chefminister Naveen Paitnak kündigte am 15. Dezember an, dass keine Demonstrationen über Weihnachten genehmigt würden. Der besonders von antichristlicher Gewalt betroffene Distrikt Kandhamal soll von der Außenwelt abgeriegelt werden. Mit Erleichterung reagierte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auf die Ankündigung. „Das Einlenken der Regierung Orissas garantiert den Christen zwar kein friedliches Weihnachtsfest, ist aber ein erster wichtiger Schritt, um die Gewalt gegen religiöse Minderheiten einzudämmen", sagte Asienreferent Ulrich Delius (Göttingen). Hindu-Nationalisten haben allerdings bekräftigt, am geplanten Generalstreik festhalten zu wollen.

Rund 200 Christen ermordet

Seit Ende August sind bei den Übergriffen militanter Hindus nach Angaben des Gesamtindischen Christenrats (AICC) rund 200 Christen ermordet, 18.000 verletzt und 53.000 vertrieben. Über 4.600 Häuser gingen in Flammen auf, darunter 150 Kirchen, Gemeinde- und Waisenhäuser. Die Unruhen waren am 24. August nach der Ermordung des extremistischen Hindu-Führers und Christengegners Swami Laxmanananda Saraswati ausgebrochen und griffen auch auf andere Bundesstaaten über. Zu dem Attentat hat sich die verbotene „Kommunistische Partei Indiens – Maoisten" bekannt. Hindu-Extremisten machen trotzdem Christen für die Bluttat verantwortlich. Saraswati, lokaler Anführer der Hindu-Bewegung Vishwa Hindu Parishad (VHP), war seit 40 Jahren Drahtzieher von Übergriffen auf Christen.

Übergriffe bereits an Weihnachten 2007

Im vorigen Jahr hatten Christen in dem Bundesstaat bereits ein blutiges Weihnachtsfest erlebt. Nach GfbV-Angaben wurden fünf Pastoren ermordet, mindestens 730 Häuser von Christen und 95 Kirchen niedergebrannt. Von den 37 Millionen Einwohnern Orissas sind etwa drei Prozent Christen. Der Bundesstaat gilt als Hochburg militanter Hindus. Ganz Indien hat etwa 1,1 Milliarden Bürger. Von ihnen sind 82 Prozent Hindus, zwölf Prozent Muslime und ebenfalls drei Prozent Christen.