07.02.2008

Türkei: Regierung erwägt bessere Beziehungen zum Ökumenischen Patriarchat

 

Ankara/Türkei, 28.01.2008 (KAP) Die türkische Regierung feilt einem Zeitungsbericht zufolge
an einer Kurskorrektur in ihren Beziehungen zum Ökumenischen Patriarchat von
Konstantinopel. "Dies ist wohl ein Thema, bei dem wir eine neue Perspektive entwickeln und
das wir nicht als Tabu betrachten sollten", zitierte die Zeitung "Today´s Zaman" am 28. Januar
den türkischen Außenminister Ali Babacan.
Ausdrücklich verwies Babacan in seiner Stellungnahme auf eine Äußerung von
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in der vergangenen Woche, wonach der Titel des
Patriarchen eine "innere Angelegenheit der orthodoxen Christenheit" sei. Der Regierungschef
hatte sich damit erstmals von der bisherigen Position des türkischen Staates distanziert, wonach
der Patriarch sich nicht "ökumenisch" nennen darf. Hinter diesem Titel argwöhnen türkische
Nationalisten den Anspruch auf eine Art orthodoxen Kirchenstaat auf türkischem Boden nach
vatikanischem Vorbild.
"Dieses Thema wird auf jeden Fall diskutiert", erklärte Babacan. Auch Egemen Bagis, ein
hochrangiger außenpolitischer Berater des türkischen Ministerpräsidenten, deutete an, dass über
eine Neubewertung der Beziehungen zum Patriarchat nachgedacht werde. "Das Patriarchat ist
ja schließlich nicht gestern gegründet worden, es ist eine Institution, die seit Jahrhunderten hier
ansässig ist", sagte Bagis der Zeitung.
Ministerpräsident Erdogan hatte am 23. Januar in Ankara eine gemeinsame Pressekonferenz mit
seinem griechischen Amtskollegen Konstantinos Karamanlis abgehalten. Karamanlis betonte
dabei, der Fortbestand des Ökumenischen Patriarchats in Istanbul sei für den Weg der Türkei in
die EU ein wichtiges Kriterium und quasi "ein EU-Pass". Erdogan betonte seinerseits, der Titel
des Patriarchen, ob "ökumenisch" oder anderslautend, sei allein Sache der Kirche.
Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress (KAP), Wien/Österreich