19.02.2008
Malaysia: Religionsfreiheit gefährdet?
K u a l a L u m p u r (idea) - 10.02.08 – Die christliche Minderheit im mehrheitlich
muslimischen Malaysia ist besorgt über staatliche Einschränkungen der Religionsfreiheit.
Zuletzt beschlagnahmten Zöllner am 28. Januar von einer aus den Philippinen einreisenden
Flugpassagierin zwei Kartons mit 32 Bibeln.
Wie der Informationsdienst Compass Direct mitteilt, konnte die Frau einen Brief ihres Pastors
vorweisen, in dem bescheinigt wurde, dass die Bibeln in englischer Sprache für den
innerkirchlichen Gebrauch bestimmt waren. Gleichwohl hätten die Zöllner darauf bestanden,
dass die Bücher vom Ministerium für Innere Sicherheit geprüft werden müssten. Dagegen hat
der Generalsekretär des Kirchenrats von Malaysia, Hermen Shastri (Kuala Lumpur), protestiert.
Die Bibel sei die Heilige Schrift der Christen, und niemand dürfe es ihnen verwehren, sie zu
besitzen, zu lesen und mit ihr zu reisen. Shastri verlangte die Freigabe der Bibeln und eine
Entschuldigung der Zollbehörde. Er forderte Premierminister Abdullah Badawi auf, den
Christen zu versichern, dass solche Schikanen ein Ende hätten. Ähnlich äußerte sich der
Vorsitzende der Christlichen Föderation Malaysias, Bischof Paul Tan Chee Ing. Inzwischen sind
die Bibeln auf Veranlassung des stellvertretenden Ministers für Innere Sicherheit, Fu Ah Kiow,
zurückgegeben worden.
Kinderbücher konfisziert
Anfang des Jahres waren christliche Kinderbücher in mehreren Buchhandlungen von der
Kontrollbehörde für Publikationen und Koran-Texte beschlagnahmt worden. Begründung: Die
Bücher enthielten Darstellungen von Propheten, und dies verletze die religiösen Gefühle von
Muslimen. Im Islam, der unter anderem Jesus als Propheten ansieht, herrscht ein Bilderverbot.
Nach Protesten von Christen, die darauf verwiesen, dass die Bücher nicht für Muslime bestimmt
seien, wurden die Schriften zurückgegeben.
Dürfen nur Muslime „Allah“ sagen?
Im vorigen Jahr verklagte die Evangelische Kirche Borneos die Regierung, weil ihr verboten
worden war, christliche Literatur einzuführen, in der die Bezeichnung „Allah“ für Gott benutzt
wurde. Die Bücher waren am 15. August an einem Flughafen beschlagnahmt worden. Die
Kirche argumentierte, dass einheimische Kirchen Gott von jeher als „Allah“ bezeichneten. Der
Rechtsvertreter der Regierung hat eine Verschiebung des Gerichtsverfahrens auf Mai oder Juni
beantragt, um eine schriftliche Stellungnahme vorzubereiten.
„Islamischer Puritanismus“
Nach Angaben der ökumenischen Nachrichtenagentur ENI hat Oppositionsführer Anwar
Ibrahim vor einer Gefährdung der multi-ethnischen und multi-religiösen Harmonie in Malaysia
gewarnt. Er beklagte bei einer Konferenz Anfang Januar in Singapur einen staatlich geförderten
„islamischen Puritanismus“. Offenbar wolle die Regierung muslimische Stimmen bei den für
dieses Jahr vorgesehenen Nationalwahlen gewinnen. Von den 25 Millionen Einwohnern
Malaysias sind rund 60 Prozent Muslime. Die 20 Prozent Buddhisten und 10 Prozent Christen
sind meist chinesischer, die 6,3 Prozent Hindus indischer Abstammung. Die übrigen sind
Anhänger von Naturreligionen.