24.02.2008
Türkei: Christenmorde wecken Interesse am Christentum
I z m i r (idea) - 1.02.08– Die Ermordung von drei Christen im osttürkischen Malatya im April
2007 hat bei einigen Muslimen des Landes Interesse am christlichen Glauben geweckt. Das
berichtet der Baptistenpastor Ertan Cevik (Izmir) in einem Interview mit dem Magazin „Stimme
der Märtyrer“ der Hilfsaktion Märtyrerkirche (Uhldingen am Bodensee).
„Muslime beginnen, über ihren Glauben nachzudenken und über die Gewalt, die damit
zusammenhängt“, so Cevik. So habe ein junger Muslim Kontakt zu den Baptisten in Izmir
gesucht. Er sei von der grausamen Ermordung der Christen durch „gläubige Muslime“
schockiert gewesen und habe mehr über den christlichen Glauben wissen wollen, weil nach
seiner Meinung „mit dem Islam etwas nicht stimmen könne“. Der junge Mann habe erst an
einem Bibelkurs und später am Taufunterricht teilgenommen, sei Christ geworden und habe sich
taufen lassen. Fünf junge Muslime hatten am 18. April den Deutschen Tilmann Geske sowie die
Türken Necati Aydin und Ugur Yuksel im Zirve-Verlag gefoltert und ermordet. Der Prozess
gegen die mutmaßlichen Mörder wurde Mitte Januar fortgesetzt. Die Täter handelten der
Staatsanwaltschaft zufolge aus Hass auf christliche Missionare. Ihnen drohen lebenslängliche
Haftstrafen.
Nach Morddrohung: Polizeischutz für Pastor
Pastor Cevik steht unter Polizeischutz, weil sein Name auf einer Todesliste militanter Islamisten
gefunden wurde. Sein „Beschützer“ sei sechs Jahre lang Personenschützer des Innenministers
gewesen, so Cevik. Der Pastor hat nach eigenen Angaben Gottes Bewahrung erlebt. So habe ein
Attentäter, der im Dezember einen katholischen Priester niedergestochen hatte, zunächst bei den
Baptisten Einlass gesucht, angeblich um zu beichten. Dem Küster sei das merkwürdig
vorgekommen. Als dann zwei Polizisten auftauchten, sei dieser Mann weitergegangen.
Manche Firmen stellen keine Christen ein
Zufrieden zeigt sich Cevik mit den Reaktionen von Politik und islamischer Führung auf die
Übergriffe. Premierminister Recep Tayyip Erdogan habe öffentlich erklärt, dass es eine Schande
sei, Christen und ihre Pastoren zu töten. Der oberste Imam des „Amtes für religiöse
Angelegenheiten“ habe ebenfalls die Morde streng verurteilt. In Izmir habe der oberste Mufti als
Zeichen der Solidarität mit den Christen öffentlich Pastoren und Gemeindeleiter empfangen.
Doch in der Gesellschaft gebe es weiter Vorbehalte gegenüber Christen. In manche Firmen
erhielten sie keine Anstellung. In Moscheen werde das Vorurteil geschürt, dass Christen
Muslime mit Geld bestächen, damit diese sich taufen ließen. Cevik: „Das ist natürlich Unsinn,
aber es wird geglaubt.“ Den Vorwurf, dass manche Christen aggressiv missionierten, wies
Cevik als „ungehörige Verdrehung der Opfer-Täter-Situation“ zurück: „Wir Christen sind eine
kleine Minderheit in einem Land mit 99 Prozent Muslimen.“