24.02.2008
Türkei: In der Türkei gehen weit mehr Menschen in die Moschee als im Iran
Ankara/Istanbul/Türkei, 07.02.2008 (ORF religion) In der Türkei gibt es 67.000 Schulen. Dem
stehen 85.000 Moscheen mit 90.000 Geistlichen gegenüber. Im ganzen Land gibt es weniger
Ärzte als islamische Geistliche, nämlich insgesamt 77.000 Mediziner.
Diese statistischen Zahlen finden sich in einem Artikel der türkischen Tageszeitung "Milliyet"
vom vergangenen 4. Februar. Ferner existieren im Lande Atatürks rund 25.000 Vereine, die dem
Zweck dienen, für den Bau weiterer Moscheen Geld zu sammeln. Laut dem "Milliyet"-Artikel
strömen an Freitag überdies viel mehr Muslime zum traditionellen Gebet in die Moscheen als
im benachbarten, klerikal regierten Iran.
Türken sind religiöser als Iraner
Der Autor des "Milliyet"-Artikels, Can Dünar, zitiert in dem Bericht einen
Parlamentsabgeordneten der Regierungspartei AKP, Said Yazicioglu Meclis, der bereits im Jahr
2003 erklärte, dass die Türken letztlich viel religiösere Muslime seien als die Iraner: In der 70
Millionen Einwohner zählenden Türkei fänden sich demnach regelmäßig 20 Millionen zum
Freitagsgebet ein, im Iran mit fast ebenso vielen Einwohnern seien es nur etwa sieben
Millionen. Nach diesen Angaben verrichten im Iran zwei Millionen Muslime täglich ihre
Gebete, in der Türkei hingegen zehn Millionen.
Religionsbehörde mit großem Budget
In dem Bericht von "Milliyet" wird auch festgehalten, dass die staatliche türkische
Religionsbehörde Diyanet, an deren Spitze ein sunnitischer Geistlicher steht, über ein äußerst
großzügiges Budget verfüge. Das Budget der Diyanet in der offiziell laizistischen und von der
konservativ-islamischen AKP regierten Türkei sei so hoch wie das von acht Ministerien
zusammengenommen. 25.000 Moscheebau-Vereine
Dem Bestehen von 25.000 Moscheebau-Vereinen stellt der Autor des Artikels gegenüber, dass
es in der ganzen Türkei nur einen einzigen Verein für Opernfreunde und die Förderung der Oper
gebe. Und dies, obwohl Zahlen belegten, dass die Türken sehr an Kultur interessiert sind. Die
Zahl der Interessenten für Oper und Ballett werde auf 165.000 geschätzt, die der
Theaterbesucher auf rund acht Millionen jährlich.
Nur 210 Menschen haben Religion gewechselt
Als Antwort auf "Missionierungsängste" in der Türkei - es gab dort seit dem Vorjahr eine Reihe
von tödlichen Attentaten auf Mitglieder der christlichen Minderheiten - werden nüchterne
Zahlen angeführt. Im Jahr 2005 hätten demnach in der Türkei 210 Menschen die Religion
gewechselt. In Deutschland dagegen seien in den letzten drei Jahren 1.260 Menschen zum Islam
konvertiert, unter ihnen 60 Frauen, die meist mit Muslimen verheiratet waren.
Quelle: ORF religion, Wien/Österreich