24.02.2008

Vietnam: Gestörte Ruhe für Vietnams Katholiken

Kampf der Katholiken in Hanoi um Nuntiatur vorerst beigelegt - Frieden zum Neujahrsfest?

Vietnam: Gestörte Ruhe für Vietnams Katholiken

Kampf der Katholiken in Hanoi um Nuntiatur vorerst beigelegt - Frieden zum Neujahrsfest?

 

Hanoi / Frankfurt am Main (6. Februar 2008) – Drei Tage, nachdem die Katholiken in Hanoi der
Forderung der vietnamesischen Regierung nachgekommen waren und das Jesus-Kreuz und die
Zelte der Mahnwachen vom umstrittenen Gelände der ehemaligen Nuntiatur in Hanoi geräumt
hatten, herrscht nach Beobachtungen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte
(IGFM) eine bedrückende Atmosphäre. Wochenlang hatten täglich bis zu einige Tausend
Katholiken für die Rückgabe eines ehemaligen Nuntiaturgebäudes demonstriert, das nach der
Machtübernahme der Kommunisten beschlagnahmt worden war und von dem immer wieder
Störungen für das religiöse Gemeindeleben ausgingen.
Die Versammlungen der katholischen Demonstranten verliefen weitgehend friedlich und äußerst
diszipliniert. Nach einem Zwischenfall jedoch stellte die Regierung ein Ultimatum für die
Räumung des Platzes. Seitdem bemüht sich die Katholische Kirche um Entspannung, um die
Lage nicht außer Kontrolle geraten zu lassen. Doch kleine Sticheleien und Animositäten seitens
der Regierung bedrohen den Burgfrieden. Die IGFM ruft Vietnam auf, den Weg des Dialogs
konsequent zu verfolgen und Provokationen zu unterlassen.
Erzbischof bemüht sich um eine konstruktive Lösung
Mit einem Brief vom 30. Januar 2008 hatte sich der Vatikan in den Konflikt eingeschaltet und
den Erzbischof von Hanoi, Ngo Quang Kiet, gebeten, Unruhe zu vermeiden und den Weg des
Dialogs zu gehen. Am 1. Februar 2008 berichtete Erzbischof Ngo Quang Kiet seinen Gläubigen,
dass im Dialog zwischen der Erzdiözese und der Bischofskonferenz und der Regierung
gegenseitiger Respekt zu wahren sei, denn nur so könne eine Lösung des Konflikts erfolgen. Ein
konkreter Plan sei bereits in Aussicht gestellt worden. In einem ersten Schritt sei vereinbart
worden, dass das Restaurant auf dem Nuntiaturgelände seine Aktivitäten einstellen werde und
die Katholiken im Gegenzug das Kreuz und die Zelte abbauen sollten. Die katholische
Nachrichtenagentur Asianews hingegen berichtete nur einen Tag später, dass der Erzbischof die
Rückgabe der Nuntiatur bestätigt habe. Nach Meinung der IGFM, der der Brief des Erzbischofs
im Wortlaut vorliegt, hat dies jedoch der Erzbischof in seinem Schreiben nicht erwähnt, sondern
lediglich den Weg zur Lösung aufgezeigt. In dem Brief rief der Erzbischof die Katholiken
weiterhin „zum beharrlichen und kontinuierlichen Gebet auf, obwohl sie nicht mehr ständig bei
der Pieta-Statue sein könnten.“ Er spreche nicht von einem Ende der Mahnwache und halte
seine Gläubigen in den Startlöchern, weil er aus Erfahrung wisse, dass die Regierung der Aktion
den Wind aus den Segeln nehmen wolle, so die IGFM.
41
Tatsächlich versammelten sich immer noch kleine Gruppen von Katholiken auf dem Gelände,
obwohl bereits am 1. Februar das Kreuz von der Nuntiatur zu der Kathedrale getragen wurde
und die Zelte abgebaut worden waren. Nachdem die Regierung dann am 3. Februar die Tore
erneuern ließ und sie verschlossen hielt, blieb den Katholiken nichts anderes übrig, als zum
Gebet vor dem Zaun zu stehen. Das Wachpersonal versuchte während dessen, sie verbal zu
provozieren.
IGFM: Statt Entspannung weitere Animositäten und Provokationen
Nach Auffassung der IGFM versucht die kommunistische Regierung, ihre angekratzte Autorität
durch Machtgehabe zu demonstrieren. Am 3. Februar wurden zwei riesige Transparente am
Zaun der Nuntiatur befestigt. Die Transparente versperrten damit die Sicht der Katholiken zum
Innenhof der Nuntiatur und das Tor den Weg zur Maria-Pieta Statue. Gerade die provokante
Schließung der Tore war in den Tagen davor der Auslöser des Unmuts und ihrer Eskalation
gewesen. Von Seiten der Behörden wird den Katholiken Misstrauen und Unterstellungen
entgegengebracht. So sei die Polizei auch der Meinung, dass der Vorfall am 25. Januar von
feindlichen Kräften provoziert worden sei. Am 30. Januar besuchte ein Polizeivertreter den
Bischof von Thai Binh, Nguyen Van Sang, und fragte ihn provokativ nach dem wahren Autor
des Unterstützungsbriefes, den er an den Erzbischof von Hanoi geschrieben hatte, obwohl
durchaus bekannt war, dass gerade er, der frühere Sekretär der vietnamesischen
Bischofskonferenz und heutige Bischof von Thai Binh mehrmals versucht hatte, den Konflikt
zu schlichten. Auch der jetzige Kompromiss geht auf seine Schlichtungsversuche zurück. Kein
Zeichen von Entspannung ist auch das Ermittlungsverfahren gegen den Erzbischof von Hanoi.
Die Polizei von Hanoi kündigte am 26. Januar an, Ermittlungen wegen Zerstörung von
Besitzeigentum, Störung der öffentlichen Ordnung und Widerstands gegen Beamte im Dienst,
die während des Vorfalls am 25. Januar geschehen waren, einzuleiten.
Mehr Informationen unter:
www.menschenrechte.de