10.01.2008

Türkei: Kardinal Meisner will Kirche in der Türkei

Von Joachim Frank

Türkei: Kardinal Meisner will Kirche in der Türkei

Von Joachim Frank

Köln/Deutschland, 14.12.2007 (Kölner Stadtanzeiger) Die [römisch-]katholische Kirche hat der
Türkei vorgeschlagen, als Zeichen der Religionsfreiheit und „Beitrag zur Entspannung“ ein
christliches Pilgerzentrum im südtürkischen Tarsus zu ermöglichen. Die antike Hafenstadt ist
der Geburtsort des Apostels Paulus, zu dessen 2000. Geburtstag 2008 Papst Benedikt XVI. ein
internationales „Paulus-Jahr“ ausgerufen hat. „Wir Christen besitzen aber in Tarsus nichts“,
sagte Kardinal Joachim Meisner dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ während eines
Redaktionsbesuchs im Neven DuMont Haus. Deshalb habe er die Türkisch-Islamische Union
Ditib um Unterstützung gebeten, „dass wir dort ein Pilgerzentrum und eine kleine Kirche bauen
können“. Das wäre „ein starkes Zeichen der Verständigung und würde hier in Köln zum
Ausgleich beitragen“, sagte Meisner mit Blick auf die Kölner Moscheebau-Debatte. Er wolle
„niemanden unter Druck setzen oder gar erpressen, sondern eine Brücke bauen, damit die Dinge
auch hier in Köln leichter werden“.
Mit dem Anliegen „abgeblitzt“
Das Katholische Büro, Vertretung der Bischofskonferenz in Berlin, trug Meisners Anliegen im
Oktober der Türkischen Botschaft vor, sei damit aber „abgeblitzt“, wie der Leiter des Büros,
Karl Jüsten, sagte. Botschaftsrat Kemal Tüzün bestritt dies. Ihm seien weder die Anfrage noch
das Projekt in Tarsus bekannt. Der Ditib-Dialogbeauftragte Bekir Alboga sagte, Meisner habe
nicht der Ditib geschrieben, sondern ihm persönlich. In seinem ebenfalls persönlichen
Antwortschreiben signalisierte er dem Kardinal Unterstützung und sprach von einer „Offenheit“
der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Selbst deren Zustimmung reiche aber in einem so
„vielschichtigen“ Fall „sicherlich nicht aus“. Alboga schlug Meisner ein vertrauliches Treffen
vor, um das Anliegen „gemeinsam in einem Gespräch zu konkretisieren und unsere
Möglichkeiten abzuwägen, wie wir Sie unterstützen können“. Auf diese Einladung, so Alboga,
habe der Kardinal bislang nicht geantwortet. Meisner stellte seinerseits fest: „Es gibt ein
Gesprächsangebot, aber in der Sache sind wir noch kein Stück weiter.“ Darüber zeigte sich
Alboga „sehr irritiert“: „Wie soll man weiterkommen ohne ein Gespräch?“ Die Einladung stehe
aber.
Meisner betonte das Recht der Kölner Muslime auf ein Gotteshaus. „Wir haben
Religionsfreiheit.“ Wie die geplante Moschee ins Stadtbild passt, müssten die Behörden
entscheiden. Seine Zustimmung sei nicht abhängig vom Verhalten der Türkei.
Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, Köln/Deutschland