04.06.2008

Irak: Widersprüche hinsichtlich der Religionsfreiheit

Um nicht mit Morddrohungen konfrontiert zu werden, fliehen Christen und andere Minderheiten aus dem Irak. Die angeblich gegenüber allen Glaubensrichtungen tolerante irakische Gesetzgebung legt fest, dass kein Gesetz dem Islam wiedersprechen darf

Irak: Widersprüche hinsichtlich der Religionsfreiheit

Um nicht mit Morddrohungen konfrontiert zu werden, fliehen Christen und andere Minderheiten aus dem Irak. Die angeblich gegenüber allen Glaubensrichtungen tolerante irakische Gesetzgebung legt fest, dass kein Gesetz dem Islam wiedersprechen darf

(AKREF/DAL) - Washington D.C./USA/22. Mai 2008 - Die Kommission für Internationale Religionsfreiheit veröffentlichte am 2. Mai einen Bericht, der die 11 “besonders besorgniserregenden Länder” auflistet, die Verstöße gegen die Religionsfreiheit entweder zulassen oder sich daran beteiligen.

Obwohl der Irak trotz des Mordes an einem Erzbischof vor kurzem nicht auf dieser Liste steht, heißt es in dem Bericht, die Kommission sei “äußerst besorgt über die Bedingungen für Religionsfreiheit im Irak.” Der Irak stand allerdings im vergangenen Jahr auf der Beobachtungsliste. Die Kommission hat nun angekündigt, das Land ab Ende Mai zu beobachten und einen Bericht sowie Empfehlungen herauszugeben.

Laut einem Interview mit Mark O’Keefe vom “Pew Forum für Religion und öffentliches Leben”, sagte der Forscher Brian Grim, Papst Benedikt XVI habe die Lage der Christen im Irak beim privaten Treffen mit US-Präsident George W. Bush am 16. April erneut thematisiert. Die Situation wird als sehr ernst eingeschätzt. Wie vom amerikanischen Außenministerium dokumentiert, werden Christen mit Gewalt bedroht, wenn sie nicht ihre Häuser räumen, sie werden auf der Straße angepöbelt, ergriffen, sogar ermordet; ihre Kirchen werden ausgebombt oder anderweitig zerstört. Für viele ist die Zwangsbekehrung zum Islam die einzige Möglichkeit, in ihren Häusern zu bleiben. Einige christliche Gemeindeleiter gehen sogar so weit, die Notlage der Christen als ‘ethnische Säuberung’ zu beschreiben.

Weiter sagt Grim, die Lage der Christen sei noch schlimmer als unter Saddam Hussein. Unter seiner Herrschaft konnten Priesterseminare und -schulen betrieben werden und der Irak hatte diplomatische Beziehungen zum Vatikan. Die Christen hielten allerdings ein sehr niedriges Profil.  Manche seien gezwungen worden, umzusiedeln, nachdem sie der Kollaboration mit den Kurden in der Bewegung gegen Saddam in den 199er Jahren bezichtigt worden waren.

Mit Hinweis auf die irakische Gesetzgebung sagt Grim, die Religionsfreiheit im Irak sei gefährdet. Während das irakische Hauptdokument des Grundgesetzes, ebenso wie das Afghanistans, die Garantie auf Religionsfreiheit enthält, scheint es nun doch einen Widerspruch in sich zu beinhalten.  So heißt es darin laut Grim “Es darf kein Gesetz eingeführt werden, das gegen die Bestimmungen des Islams verstößt.” Ergänzend dazu heißt es in Artikel 89, dass zu den Mitgliedern des irakischen Obersten Gerichts auch Experten des islamischen Rechts gehören müssen. “Manche Leute”, so Grim, “sehen darin einen beunruhigenden Widerspruch.”