04.06.2008

Iran: Polizei nimmt mehrere ehemalige Muslime fest

Einige Christen weiter in Haft – Abfall vom Islam gilt als Verbrechen

Iran: Polizei nimmt mehrere ehemalige Muslime fest

Einige Christen weiter in Haft – Abfall vom Islam gilt als Verbrechen

 

ISTANBUL, 26. Mai 2008 - In der südiranischen Stadt Shiraz nahm die Polizei mehrere Muslime, die Christen geworden waren, fest. Ferner beschlagnahmte sie Bücher, CDs sowie Computer. Am 11. Mai verhafteten Beamte zwei Ehepaare am Flughafen Shiraz. Die vier Christen wurden stundenlang über ihren christlichen Glauben und die Aktivitäten ihrer Hausgemeinde verhört, berichtete ein einheimischer Informant dem Informationsdienst Compass Direct. Bei den Christen handelt es sich um Homayon Shokohie Gholamzadeh (48), seine Frau Fariba Nazemiyan Pur (40) sowie Amir Hussein Bab Anari (25) und seine Frau Fatemeh Shenasa (25). Die beiden Frauen wurden noch am Tag ihrer Festnahme freigelassen. Anari blieb bis zum 14. Mai in Gewahrsam; Gholamzadeh ist weiter in Haft. Zwei Stunden nach den Festnahmen in den Morgenstunden des 11. Mai drangen Polizeibeamte in die Wohnung von Hamid Allaedin Hussein (58) ein und nahmen ihn und seine drei erwachsenen Kinder, Fatemah (28), Muhammed Ali (27) und Mojtaba (21), fest. Mojtaba ist immer noch im Gefängnis. Weitere zwei ehemalige Muslime, Mahmood Matin und ein unter dem Namen Arash bekannter Mann wurden in einem Park in Shiraz festgenommen. Beide befinden sich noch in Haft. Im vergangenen Monat kam es auch in Amol, in der Nähe des Kaspischen Meeres, Berichten zufolge zur Festnahme von Konvertiten aus dem Islam. Zwei von ihnen, darunter eine schwangere Frau, sind noch in Haft. Ihr Aufenthaltsort ist unbekannt.

Wachsende Hausgemeindebewegung

In den vergangenen zwei Jahren hat das schiitisch-muslimische Regime Dutzende von Iranern schikaniert und eingeschüchtert, die in hauskirchlichen Bewegungen involviert sind. Eine Hauskreisbewegung bestätigte im vorigen Monat, dass die Zahl iranischer Konvertiten ständig wachse. Aus dem Islam zum Christentum konvertierte Iraner werden routinemäßig sowohl körperlichen und psychischen Misshandlungen durch Beamte ausgesetzt. Tage- bzw. wochenlang würden sie für gewöhnlich in Einzelhaft festgehalten. Für ihre Freigabe sollen hohe Kautionen verlangt werden. Ihnen werde auch mit weiteren Gefängnisstrafen oder offizieller strafrechtlicher Verfolgung gedroht, wenn sie während eines Gottesdienstes oder bei der Verkündigung des Evangeliums gefasst werden würden. Seit etwa fünf Jahren werden christliche Programme auf Farsi im Radio und Fernsehen ausgestrahlt, wodurch iranische Muslime Christen wurden, hieß es weiter. Von den 65 Millionen Einwohnern sind 99 Prozent Muslime. Schätzungsweise gibt es 125.000 bis 150.000 meist armenische und assyrische Christen. Die Zahl der Muslime, die Christen wurden, wird auf 250.000 geschätzt.

Todesstrafe für Konvertiten

Iranische Konvertiten im In- und Ausland dagegen sehen im Regime den Grund für die Hinwendung vieler Iraner zum christlichen Glauben. Das Volk sei vom Islam enttäuscht, sagen sie, so dass derzeit viele das Risiko einer Verhaftung, Auspeitschung und sogar den Tod auf sich nehmen, um Frieden und einen Sinn für ihr Leben zu finden. Seit Januar 2008 liegt ein Entwurf eines Strafrechtsparagrafen vor, der die Todesstrafe für Apostasie (Abfall vom Islam) und die Hinwendung zu einer anderen Religion vorsieht. Gegenwärtig ist die Todesstrafe hierfür keine gesetzliche Bestimmung. Der letzte zum Christentum konvertierte iranische Muslim, der wegen Apostasie angeklagt worden ist, wurde im Mai 2005 freigesprochen.

Compass Direct