04.06.2008
Jordanien: Ehemaliger Muslim wegen Konversion zum Christentum vor Gericht
Gewalttätiger Angriff auf Christen – Konvertit flüchtet ins Ausland
Jordanien: Ehemaliger Muslim wegen Konversion zum Christentum vor Gericht
Gewalttätiger Angriff auf Christen – Konvertit flüchtet ins Ausland
ISTANBUL, 05. Mai 2008 -In Jordanien muss sich Mohammad Abbad wegen seiner Konversion vom Islam zum Christentum vor Gericht verantworten. Wird er wegen Apostasie (Abfall von Islam) schuldig gesprochen, könnte er das Sorgerecht für seine beiden Kinder verlieren und seine Ehe würde annulliert werden, berichtet der Informationsdienst Compass Direct. Der 40-Jährige flüchtete im März 2008 aus Jordanien, nachdem Muslime ihn angegriffen haben. Sein Vater hatte ihn wegen Apostasie angezeigt. Abbad, einer der wenigen Konvertiten aus dem Islam in Jordanien, sei nach eigenen Angaben als junger Mann Christ geworden. Seit 1993, während er als Gastarbeiter im Ausland tätig war, habe er seinen Glauben festigen können und sei darin „gewachsen“. - „Ich hatte eine Begegnung mit dem Herrn Jesus, der mein Leben verändert hat, mein Herz mit Liebe erfüllt und mir die Gnade gegeben hat, das Leben zu genießen." 1994 heiratete Abbad eine Jordanierin aus christlicher Familie, mit der er zwei Kinder hat. Als Abbad im Jahr 2000 nach Jordanien zurückkehrte, behauptete sein Vater, „verdächtige Organisationen" würden Abbad dafür bezahlen, Christ zu bleiben. Der Vater empfahl dem Rest der Familie, ihn zu meiden. Wie Abbads Vater würden viele Jordanier und auch Regierungsbeamte glauben, ausländische Christen würden Muslime für eine Bekehrung zum Christentum bezahlen, heißt es.
Angriff auf Christen
Nachdem ein christliches Ehepaar, ebenfalls ehemalige Muslime, kurzzeitig zu Abbad in dessen Haus gezogen war, entdeckte am 23. März der Bruder der Frau den Aufenthaltsort des Paares. Drei Familienmitglieder brachen ein und attackierten die Christen. Abbad wurde mehrmals geschlagen und verletzt. Sein zehnjähriger Sohn, der ihm zu Hilfe eilte, wurde ebenfalls am Auge verletzt. Auch seine Frau wurde geschlagen. Nach einer ersten ärztlichen Untersuchung ging er zur Polizei, wo er auf seinen Vater traf, der ihn wegen seines Religionswechsels anzeigte. Der Vater verlangte das Sorgerecht für seine Enkelkinder. Die Polizei nahm Abbads Anzeige auf. Am nächsten Tag sollte er vor Richter Faysal Khreisat vom Scharia-Gericht Sweileh erscheinen. „Der Richter verspottete mich und sagte, ich sei verrückt", berichtete der Christ. Trotz eines ärztlichen Attests wurde Abbad wegen angeblicher Missachtung des Gerichts zu einer einwöchigen Haftstrafe verurteilt. Auf dem Weg vom Gericht zum Gefängnis wurde er ohnmächtig. Erst nach einer erneuten Bewusstlosigkeit rief die Polizei einen Krankenwagen. Da er die umgerechnet 18 Euro Anzahlung für die ärztliche Behandlung nicht aufbringen konnte, blieb er unversorgt. Erst seine Frau, die ihn nach einigen Stunden aufsuchen konnte, fuhr ihn in ein Privatkrankenhaus, wo er die Nacht ans Bett gefesselt verbrachte. Gegen eine zunächst vom Gericht abgelehnte Kaution von 8.200 Euro, die die Familie seiner Frau stellte, kam Abbad am 25. März frei. Drei Tage später verließ das Paar mit den beiden Kindern Jordanien. Nachdem das Paar am 30. März nicht bei Gericht zum Apostasieprozess erschien, wurde es zur Fahndung ausgeschrieben. Bei einem weiteren Gerichtstermin wies Richter Khreisat Abbads Vater an, die Heiratsurkunde seines Sohnes beizubringen, um die Ehe des christlichen Paars zu annullieren. „Ich kann diese Sache nicht gewinnen, solange ich dabei bleibe, vom Islam zum Christentum übergetreten zu sein", schrieb Abbad aus dem Ausland. „Das Gericht wird meine Ehe annullieren, man wird mir meine Kinder nehmen, ich werde weder Ausweis noch einen Pass besitzen und meine Habe wird man konfiszieren", sagte der zweifache Vater. Er verwies auf ein früheres jordanisches Apostasie-Urteil. Im November 2004 hatte ein Scharia-Gericht von Amman einen muslimischen Konvertiten zum Christentum wegen Apostasie verurteilt. Der Christ floh mit seiner Familie aus Jordanien, um den Folgen des Urteils zu entgehen.
Unter Druck: Ehepaar kehrt zurück zum Islam
Am 24. März musste auch der andere angegriffene Christ vor Richter Khreisat erscheinen. Der Richter drohte mit der Auflösung der Ehe und wurde zornig, als er erfuhr, dass auch dessen Ehefrau, eine ehemalige Muslima, Christin geworden war. Unter dem ungeheuren Druck der Familie hätte das Paar vor dem Richter am nächsten Tag bestritten, Christen zu sein, berichtete Abbad. Durch dreimaliges Wiederholen des muslimischen Glaubensbekenntnisses sei das Ehepaar offiziell wieder zum Islam zurückgekehrt. Die Angreifer wurden zunächst festgenommen. Nachdem die Familie der Frau damit drohte, sie gewaltsam von ihrem Mann zu trennen, ließ der Ehemann alle Vorwürfe gegen sie fallen. Die Männer kamen frei. Die Zahl der Muslime, die in Jordanien Christen wurden, ist nicht bekannt. Viele halten ihren Glauben aus Angst vor Repressalien geheim. Jordaniens Verfassung sowie das anerkannte Internationale Abkommen über bürgerliche und politische Rechte garantieren Religionsfreiheit. Jedoch ist der Wechsel von Muslimen zu einer anderen Religion untersagt. Von den rund sechs Millionen Einwohnern Jordaniens sind etwa vier Prozent Christen, darunter Orthodoxe, Katholiken und einige Protestanten.
Compass Direct