04.06.2008

Malaysia: Gericht muss über Bedeutung von "Allah" nachdenken

Regierung wollte den Katholiken den Gebrauch des Begriffes für Gott in der Nationalsprache "Bahasa Malaysia" verbieten

Malaysia: Gericht muss über Bedeutung von "Allah" nachdenken

Regierung wollte den Katholiken den Gebrauch des Begriffes für Gott in der Nationalsprache "Bahasa Malaysia" verbieten

 

Kuala Lumpur/Malaysia, 30.04.2008 (KAP) In Malaysia hat am 29. April ein Prozess zur Klärung der Frage begonnen, ob die katholische Kirche in ihren Veröffentlichungen den Begriff "Allah" für Gott gebrauchen darf. Die malaysische Regierung hatte Anfang des Jahres der Erzdiözese Kuala Lumpur die Lizenz zur Herausgabe der Kirchenzeitung "Herald" nur unter der Auflage gestattet, dass nicht mehr das Wort "Allah" für Gott benutzt wird. Allerdings bezeichnet genau dieses Wort in der Kunstsprache "Bahasa Malaysia" den "Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs", den Juden, Christen und Muslime gemeinsam verehren.

Der Chefredakteur des "Herald", P. Lawrence Andrew SJ, zeigte sich nach dem ersten Verhandlungstag optimistisch. "Die Vertreter der Regierung haben angedeutet, dass sie keine grundsätzlichen Einwände gegen die Verwendung des Begriffs haben", sagte er der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Der "Herald" hatte im vergangenen Jahr auf seinen Seiten in "Bahasa Malaysia" den Begriff "Allah" verwendet. Die Redaktion argumentierte, im Arabischen bedeute das Wort "Allah" allgemein "Gott". Im Nahen Osten werde in allen katholischen Gottesdiensten ständig "Allah" angerufen. Auf den englischsprachigen Seiten werde dieser Gottesname nicht verwendet.

Der Prozess in Kuala Lumpur ist der erste nach den Wahlen vom März, in dem das Thema Religionsfreiheit verhandelt wird. Die seit mehr als 50 Jahren regierende Koalition "Barisan Nasional" hat bei den Wahlen eine schwere Niederlage erlitten.

Wahlgewinner waren kleinere Parteien, die sich für ein Miteinander der verschiedenen religiösen Gruppen im Vielvölkerstaat Malaysia einsetzen. Die "Barisan Nasional" wird als Interessenvertretung der ethnischen Malaien gesehen, die sich als Muslime deklarieren. Obwohl nur rund 50 Prozent der Bevölkerung Malaysias muslimisch sind, war 1957 bei der Unabhängigkeitserklärung der Islam zur Staatsreligion erklärt worden. Dieser Vorgang war auf die Komplizenschaft zwischen (insgeheim zum Islam konvertierten) britischen Kolonialbeamten und islamistischen Funktionären zurückzuführen.

In den vergangenen Jahren wurden die Rechte anderer Religionen zunehmend beschränkt. Bei Kirchenneubauten dürften keine sichtbaren Kreuze angebracht werden, so P. Andrew. Im Gespräch mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA sagte er wörtlich: "Wir müssen uns bewusst werden, dass wir in Malaysia auf einem schlüpfrigen Pfad sind, der uns Nichtmuslime in die 'Dhimmitude' führt". Unter "Dhimmitude" - einem arabisch-französischen Mischbegriff - wird eine Haltung verstanden, die Christen zum Einverständnis mit ihrer Lage als "Bürger zweiter Klasse" in einem islamisch dominierten Land führt. Die "Dhimmi" (wörtlich: "Schutzbefohlene") sind nach klassischer islamischer Auffassung jene Christen, Juden und Zoroastrier, die in einem vom Islam eroberten Land unter bestimmten Bedingungen weiter existieren dürfen. Sie haben eine "Sondersteuer" (die "jizya") als "Ausgleich" für den "Schutz" durch die bewaffnete islamische Macht zu zahlen.

Quelle: Kathpress, Wien/Österreich