04.06.2008

Nordkorea: Ex-Agenten bestätigen Spionage in Untergrundgemeinden

Regierung sieht Christen als Bedrohung für die nationale Sicherheit

Nordkorea: Ex-Agenten bestätigen Spionage in Untergrundgemeinden

Regierung sieht Christen als Bedrohung für die nationale Sicherheit

 

BANGKOK, 09. Mai 2008 - Offiziell werden Sicherheitsbeamte in Nordkorea angewiesen, getarnt als Christen Untergrundgemeinden zu unterwandern, um Christen auszuspähen und sie zu verhaften. Das berichteten sechs aus Nordkorea geflüchtete ehemalige Polizei- und Sicherheitsbeamte. Die von der US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit befragten Männer gaben an, sie hätten den Auftrag erhabt, kleine Gruppen von Christen ausfindig zu machen und auszuschalten. In dem am 15. April veröffentlichten Bericht hieß es, die nordkoreanische Regierung betrachte Religion im Allgemeinen – und das Christentum im Besonderen – als Hauptbedrohung für die nationale Sicherheit, berichtet der Informationsdienst Compass Direct. Die Ex-Beamten hätten für die Nationale Sicherheitsagentur (NSA), die Volkssicherheitsagentur (PSA) und die koreanische Arbeiterpartei gearbeitet. Sie waren auch zuständig für die Bestrafung von nordkoreanischen Flüchtlingen, die aus China abgeschoben wurden. Diese hätte zugegeben, mit chinesischen oder südkoreanischen Christen in Kontakt gekommen zu sein.

Spione unterwandern Gemeinden

Die sechs Ex-Beamten berichteten über vermehrte Versuche, religiöse Aktivitäten entlang der Grenze mit China zu stoppen. Dazu hätte man fingierte Gebetstreffen in China organisiert, um nordkoreanische Flüchtlinge, die Christen wurden, zu fassen. Ebenso erhielten Beamte eine theologische Grundausbildung, um in Gemeinden in China unterzutauchen und unter den Gottesdienstbesuchern nach Nordkoreanern zu suchen. Die Agenten beschrieben die Verhaftung und Verhöre nordkoreanischer Flüchtlinge als „Gegenspionage", da die Regierung glauben würde, südkoreanische Missionare seien Spione. Wie Compass Direct weiter berichtet, wurde eine geflüchtete Nordkoreanerin, die aus China nach Nordkorea abgeschoben wurde, in einem PSA-Haftzentrum in Saethbyeol in der Provinz Nord-Hamgyeong festgehalten. Man drohte ihr, würde sie die Bibel nach Nordkorea schleusen, käme sie in ein Arbeitslager und würde dort getötet. Falls abgeschobene Flüchtlinge kaum oder keinen Kontakt mit religiösen Gruppen hatten, übergibt die Grenzpolizei der PSA sie zur Kurzzeithaft. Falls jedoch ein religiöser Kontakt entdeckt wird, werden sie der NSA überstellt. Ihnen drohen Folter, Arbeitslager oder die Hinrichtung. Vor dem Untersuchungsrichter hätten die Angeklagten keine Möglichkeit der Verteidigung, so ein Beamter. „Wir betrachten sie als revolutionäre Elemente. Wenn ein solcher Straftäter in Nordkorea gefasst wird, umringen die NSA-Beamten diese Person und treten und schlagen sie vor dem Verhör heftig." Ein weiterer Ex-Beamter bestätigte: „Die wichtigste Frage, die ihnen gestellt wird, ist, ob sie südkoreanische Missionare oder Evangelisten getroffen haben oder Religionsanhängern begegnet sind bzw. an religiösen Aktivitäten beteiligt waren. Wenn sie gestehen, werden sie der NSA übergeben und sie sind so gut wie tot." Die PSA aus allgemeine Polizeikräften sammelt Informationen über jeden Bürger für eine Akte, die bei der NSA lagert und von ihr benutzt wird, um, eine Person festnehmen zu können, so ein ehemaliger NSA-Beamte

Christentum gilt als Verschwörung gegen Nordkorea

Die Verbreitung des Christentums in Nordkorea wird als durchdachte Verschwörung zwischen Südkoreanern und den USA zur Untergrabung oder Vernichtung der nordkoreanischen Regierung betrachtet. „Wir nehmen politische Straftäter fest, nachdem wir uns durch unsere Informanten Beweise gesichert haben", sagte ein ehemaliger Beamter. „Das Besitzen religiöser Bücher oder anderen den eigenen Glauben mitzuteilen oder zu predigen, untergräbt das Regime von Kim Jong Il. Um jemanden zu verhaften, benötigen wir ein einziges Beweisstück, wie etwa eine Bibel. Wird die Bibel gefunden, wartet die Nationale Sicherheitsagentur (NSA), bis ihr Besitzer auftaucht." Ein anderer Agent erläuterte, dass es vier Gruppen von Überwachungsteams gäbe: die NSA, die Volkssicherheitsagentur (PSA), die Arbeiterpartei und die Nachbarschaftseinheit. „Wir geben der Nachbarschaftseinheit und dem Basisparteikomitee die Anweisung, bestimmte Personen zu beobachten. Sie sollen sie streng überwachen und jeden melden, den sie besuchen. Wir werden alle 15 Tage informiert." Beispielsweise gäbe es viele religiöse Menschen in Jeongju, Gwaksan, Unjeon und Namsinuiju. Den Bewohnern dieser Regionen ist es verboten, in andere Orte zu gehen. Aus dieser Gegend werden keine Parteimitglieder für die Exekutive ausgewählt. Die Leute werden ihr ganzes Leben lang von der Volkssicherheitsagentur streng überwacht."

Kopfgeld für entlarvte Gläubige

Die Agenten werden dem Bericht mit dem Titel „Ein Gefängnis ohne Gitter" zufolge mit Medaillen, einer Gehaltserhöhung oder Beförderung für die Identifizierung und Festnahme „religiöser Verbrecher“ belohnt. Manche Agenten des Sicherheitsdienstes sein verzweifelt, weil sie keine Beförderung bekommen können, wenn sie nicht zwei oder mehr Fälle vorbringen und könnten aus der NSA ausgeschlossen werden, erklärte ein Agent. Ein Absolvent der Nationalen Universität für Sicherheit und Verteidigung sagte, die Nationale Sicherheitsagentur würde Studenten für ein Religionsstudium auswählen, um „religiöse Leute aufzuspüren“. Außerdem hätte die NSA Bibeln in mehreren Sprachen, die für diese Schulungen verwandt werden. NSA-Beamte lernen auch Fähigkeiten und Techniken, um religiöse Leute zu verhören. Ein NSA-Informant sagte, er sei gelehrt worden, Ausschau zu halten nach einer Person, die mit geschlossenen Augen still verharrt und meditiert oder wenn passionierte Raucher oder Gewohnheitstrinker das Rauchen bzw. Trinken plötzlich aufgeben. Diese Leute seien NSA-Unterweisern zufolge „Feinde des Staates" und sollen streng beobachtet werden. „Wir lernen, dass Religion, weil es eine Droge ist, in Sekundenschnelle verbreitet kann", so ein früherer Agent.

Schwere Strafen für Bibelschmuggel

Ein Agent, der 20 Jahre lang in einem Konzentrationslager für politische Vergehen gearbeitet hat – wohin auch Christen oft deportiert werden – berichtete, er sei Zeuge geheimer Exekutionen gewesen, wo „die Menschen, bevor sie hingerichtet werden, eine Grube ausheben müssen, in der sie dann begraben werden." Öffentliche Hinrichtungen von Staatsverbrechern – Christen eingeschlossen – hätten aufgrund negativer Reaktionen der Öffentlichkeit abgenommen. Die Bestrafung variiert entsprechend der Aktivität der Person. „Die Tatsache, dass eine Person eine Bibel aufbewahrt, bedeutet, dass diese Person plant, sich einer Religion anzuschließen. Die schwerste Bestrafung wird denen auferlegt, die sich etwa daran beteiligen, die Bibel nach Nordkorea zu schleusen sowie den Christen, die nordkoreanischen Flüchtlingen in China helfen." Ein Flüchtling sagte: „Mein angeheirateter Verwandter wurde gefasst, als er eine Bibel verschenkte. Deshalb wurde die ganze Familie als religiöser Spion ins Gefängnis 22 - ein Strafarbeitslager - gebracht." Ein gefasster Flüchtling wurde für 15 Monate in ein NSA-Gefängnis in der Provinz Nord-Hamgyeong geschickt. Er erlebte die Gefängnisbedingungen, als sei man „ein Tier ohne Namen“. Würde das Wachpersonal einen Häftling töten, bringe das keinen Ärger ein. Es scheint jedoch, als beginne sich die strikte Überwachung und Zwangsloyalität zum System zu einem Fehlschlag zu entwickeln. Sowohl die Sicherheitsbeamten als auch die befragten Flüchtlinge sprachen von verbreiteter Frustration. Wie ein ehemaliger Agent sagte: „Der Grund für die Existenz des nordkoreanischen System liegt im strikten Überwachungssystem." Viele enttäuschte Menschen wenden sich der Religion zu. Das würde der Diktator Kim Jong Il am meisten fürchten. Wie ein ehemaliger Insasse eines Arbeitslagers aussagte: „In meiner Zelle waren etwa zehn Christen. Sie haben gebetet. Also begann ich, mit ihnen zu beten."

Compass Direct