09.06.2008

Algerien: Kirchen und Muslime, die Christen wurden, im Visier der Regierung

Open Doors ruft weltweit zum Gebet und Handeln auf

Algerien: Kirchen und Muslime, die Christen wurden, im Visier der Regierung

Open Doors ruft weltweit zum Gebet und Handeln auf

(Open Doors, 09. Juni 2008) – Bei der Umsetzung des Anti-Missionsgesetzes aus dem Jahr 2006 geht die Regierung im nordafrikanischen Algerien vehement gegen die christliche Minderheit im Land vor. Besonders Muslime, die Christen wurden, sind im Visier des Staates. Um den unter Druck geratenen Christen in Algerien zu helfen, ruft das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main) weltweit zum Gebet und Handeln auf. Mit persönlichen Briefen und Unterschriftenlisten an die algerische Botschaft in Berlin bittet Open Doors sich weltweit für die Glaubensgeschwister einzusetzen und an die politischen Verantwortungsträger für einen Stopp der Maßnahmen gegen Kirchen in Algerien zu appellieren. Anregungen bietet ein Musterbrief* auf der Internetseite www.opendoors-de.org. In Algerien ist der Islam Staatsreligion. Von den 33 Millionen Einwohnern sind schätzungsweise 10.000 evangelische Christen, zumeist ehemalige Muslime, und 1.500 katholische Christen. Mehr als die Hälfte der evangelischen Kirchen im Land wurden bereits geschlossen. 32 Kirchen sind der protestantischen Eglise Protestante d’Algérie angeschlossen, die zwar anerkannt ist, deren Mitgliedskirchen jedoch auch eine Einzelregistrierung brauchen, um erlaubt zu sein. Ferner gibt es 20 freikirchliche Gemeinschaften. Die nun geschlossenen evangelischen Gemeinden hatten bislang erfolglos Registrierungsgesuche bei den Behörden eingereicht. Auch katholische Christen werden an der Religionsausübung wie Gottesdienste für ausländische Gastarbeiter außerhalb ihrer Kirchengebäude behindert. Bei einer Fortsetzung dieser Entwicklung wird es Ende 2008 keine staatlich anerkannte algerisch-protestantische Kirche mehr geben. Presseberichten zufolge, hat Religionsminister Abdallah Ghoulamullah Konvertiten als Bedrohung für die Staatssicherheit bezeichnet.

 Christen vor Gericht

Ein algerisches Gericht in Tiaret hat Anfang Juni vier vom Islam konvertierte Christen zu Geld- bzw. Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt. Ihnen wurde illegale Religionsausübung und das Verteilen von evangelistischen Schriften vorgeworfen. Die Konvertiten hatten an einem Gebetstreffen in einem Privathaus in Tiaret im Westen des Landes einen Gottesdienst ohne staatliche Erlaubnis gefeiert. Laut Gesetz sind kirchliche Treffen nur in den von der Regierung genehmigten Orten erlaubt. Die Männer bestreiten den Vorwurf, religiöses Material verteilt zu haben. Vor Gericht verantworten muss sich auch die 37-jährige Lehrerin Habiba Kouider aus Tiaret. Ihr droht wegen „Ausübung nichtmuslimischer Bräuche ohne Genehmigung“ eine Haftstrafe von drei Jahren. Der Prozess wurde verschoben. Laut ihrer Verteidigerin könne das am gewachsenen internationalen Interesse liegen. Medien hatten berichtet, dass die ehemalige Muslima aufgrund ihrer Konversion vom Islam zum Christentum in ihrer Stadt verspottet und zur Rückkehr zum Islam aufgefordert worden sei. Die Lehrerin war am 29. März in einem Bus von der Polizei verhaftet worden, als diese in der Handtasche der Frau mehrere Bibeln und christliche Literatur fand. Der Staatsanwalt bot an, die Anklage im Falle einer Rückkehr zum Islam fallen zu lassen. Habiba Kouider lehnte das ab. Per neuer Regelung kann der Druck bzw. die Lagerung von Materialen, die darauf abzielen, den „Glauben eines Muslims zu erschüttern“ mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren bzw. Geldstrafen geahndet werden.