20.06.2008

Kirgisien: Junge darf nicht christlich beerdigt werden

Der Leichnam des 14-jährige Aman Isakow wird von Milizen entfernt und in einem Auto weggebracht

Kirgisien: Junge darf nicht christlich beerdigt werden

Der Leichnam des 14-jährige Aman Isakow wird von Milizen entfernt und in einem Auto weggebracht

 

B i s c h k e k (idea) 04.06.2008 – In Kirgisien hat ein Konflikt um die Beerdigung eines Jungen aus christlicher Familie die Sorge um eine Einschränkung der Religionsfreiheit für Christen wachsen lassen. Das Missionswerk Friedensbote (Meinerzhagen), das unter anderem Hilfsgüter in das zentralasiatische Land bringt, hat einen Appell an Staatspräsident Kurmanbek Bakijew (Bischkek) gerichtet, sich für die verfassungsmäßig garantierte Glaubensfreiheit der Christen in dem überwiegend muslimischen Land einzusetzen. Der Vorfall, über den auch in kirgisischen Medien berichtet wurde, ereignete sich im Dorf Kulanak nahe der Stadt Naryn. Nach einer Herzoperation war der 14-jährige Aman Isakow, Sohn eines Mitglieds einer registrierten evangelikalen Gemeinde, am 18. Mai gestorben. Danach begannen Gemeindemitglieder, ein Grab auf dem Teil des Friedhofs auszuheben, der Christen zugeteilt ist. Einem Bericht des Missionswerks zufolge verbot jedoch eine Gruppe von Muslimen unter Leitung des Imams Kenshebek Imanow den Christen, das Grab auszuheben. Die Christen wandten sich an die Kreisverwaltung, die Vertreter an den Ort des Geschehens sandte, um den Konflikt zu lösen. Doch die Muslime verlangten, dass entweder der Vater zum Islam übertrete oder der Leichnam dem muslimischen Großvater übergeben solle, der ihn nach islamischem Ritus bestatten könne, oder der Leichnam außerhalb des Dorfes verscharrt würde. Der Vater ließ sich darauf jedoch nicht ein. Daraufhin drangen Soldaten und Milizbeamte am 21. Mai in das Haus der Familie ein, entfernten die Leiche und fuhren sie in einem Auto weg. Am folgenden Tag fanden die Angehörigen eine frisch zugeschaufelte Grube am Bergpass Akkyja, in die der Leichnam des Jungen nach Art eines Tieres verscharrt worden war. Aufgrund dieses Vorfalls haben Christen aus dem Raum Paderborn ebenfalls eine Petition gegen die Diskriminierung von Christen in Kirgisien an den Botschafter des Landes in Berlin, Maratbek Bakijew, gerichtet. Zeit der Religionsfreiheit läuft ab Bereits Ende März hatten kirchliche Mitarbeiter aus Kirgisien beim Jahresfest des Missionsbundes „Licht im Osten“ in Korntal bei Stuttgart vor einer drohenden Einschränkung der Religionsfreiheit gewarnt. Nach Angaben des Leiters der Organisation „Strahl der Hoffnung“, Heinrich Voth (Bischkek), sei mit der baldigen Verabschiedung eines neuen Religionsgesetzes zu rechnen. Es sehe Mindestgemeindegrößen von 200 Personen für die staatliche Anerkennung vor. Das stelle vor allem protestantische Gemeinden vor große Probleme. Die Begründung der Regierung laute, dass die ethnische Einheit und die Traditionen des kirgisischen Volkes geschützt werden sollten. Nach Angaben der Kirchenvertreter gehen die Maßnahmen auf Initiativen radikaler Muslime zurück, denen christliche Missionsaktivitäten ein Dorn im Auge seien. Der Vorsitzende des Kirgisischen Baptistenbundes, Alexander Schumilin, befürchtete, dass „die Zeit, in der wir problemlos das Evangelium verkündigen und Gott dienen konnten“, zu Ende gehe.

Kirgisien hat rund fünf Millionen Einwohner, von denen etwa zwei Drittel zum Volk der mehrheitlich muslimischen Kirgisen gehören. Von den übrigen Volksgruppen bilden die atheistisch oder orthodox geprägten Russen mit etwa 650.000 Angehörigen nach den rund 700.000 muslimischen Usbeken die größte Gruppe.