03.03.2008

Eritrea: Hausgemeinde-Christen aus Gefängnis entlassen

Bischof Antonios weiter unter Hausarrest – Helen Berhane dankt Betern in aller Welt

Eritrea: Hausgemeinde-Christen aus Gefängnis entlassen

Bischof Antonios weiter unter Hausarrest – Helen Berhane dankt Betern in aller Welt

 

LOS ANGELES, 28. Februar 2008 - Im ostafrikanischen Eritrea wurden am 16. Februar 35
evangelikale Christen aus der Haft entlassen. Beamte der Sicherheitspolizei hielten sie seit
Wochen ohne offizielle Anklage in einer Polizeistation fest. Sie waren am 6. Januar während

einer Gebetsversammlung in einem Privathaus von Polizisten überrascht und festgenommen
worden. Die Freigelassenen sind Mitglieder der „Faith of Christ Church“. In Haft durften sie
keinen Besuch empfangen. Auch zehn Mitglieder einer unabhängigen „Full Gospel Church“, die
fünf Jahre im berüchtigten Militärgefängnis von Assab eingesperrt waren, wurden auf Kaution
entlassen. Laut dem Informationsdienst Compass Direct ist der am 1. Oktober 2007 verhaftete
Pastor der Kale Hiwot Church, Oqbamichael Tekle-Haimanot, weiter in der Hauptstadt Asmara
in der Polizeistation Nr. 5 gefangen.
Hausgemeinden verboten
Von den 4,8 Millionen Einwohnern Eritreas sind rund 52 Prozent Christen, darunter ein Prozent
Protestanten/Evangelikale, 4 Prozent Katholiken und 47 Prozent Orthodoxe. 47 Prozent sind
Muslime. Im Mai 2002 erklärte Präsident Issayas Afewerki alle Angehörigen nicht erlaubter
Kirchen – darunter 35 evangelikale – zu Staatsfeinden. Nur die orthodoxe und die katholische
Kirche sowie die Lutheraner und der Islam sind anerkannt. Seitdem veranlasst die Regierung
Kirchenschließungen und verbietet Privatversammlungen. Mehr als 2 000 eritreische Christen,
darunter Dutzende Pastoren und Priester, befinden sich immer noch in Gefängnissen,
Polizeistationen und Militärlagern, wo sie aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen gefoltert
werden. Ein Rechtsbeistand bzw. ein Prozess wird ihnen verweigert. Doch selbst Leiter der vier
anerkannten religiösen Gruppen erleben harte Beschränkungen durch die Regierung. So befindet
sich der orthodoxe Bischof Abune Antonios weiter unter Hausarrest, weil er gegen die
Einmischung der Regierung in Kirchenangelegenheiten protestierte. Zuvor war er aus der
Synode ausgeschlossen worden. Im Dezember 2006 übernahm die Regierung die Kontrolle der
Finanzen und Personalangelegenheiten der eritreisch-orthodoxen Kirche. Antonios wird stark
bewacht; er darf nicht telefonieren und selbst seinen Verwandten wird selten erlaubt, ihn zu
besuchen. International Christian Concern (ICC) zufolge wurde Antonios an einen unbekannten
Ort gebracht, als eine Delegation unter Leitung eines US-Kongressabgeordneten Eritrea Anfang
Januar besuchte. Zehn Tage nach deren Abreise habe man den schwer zuckerkranken 80-
Jährigen wieder in seine Residenz zurückgebracht.
Aufenthaltgenehmigungen abgelehnt
Vor drei Monaten lehnten eritreische Behörden die Verlängerung der Visa von 13 Katholiken
ab. Die Priester, Nonnen und Lehrer aus Italien, Mexiko, Kenia, den Philippinen, Kolumbien
und den Vereinigten Staaten wurden am 6. November aufgefordert, das Land binnen 14 Tagen
zu verlassen. Radio Vatikan zufolge geschah dies wegen der Weigerung der katholischen
Kirche, ihre Geistlichen zum Militär zu schicken sowie einer möglichen Aufenthaltsbegrenzung
auf höchstens zwei Jahre für ausländische Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen.
Gospelsängerin dankt allen Christen
Nach fast drei Jahren Haft in einem Schiffscontainer bzw. einer unterirdischen Zelle, Folter im
Militärlager Mai Serwa sowie zehn Monaten, in denen sie sich im Sudan versteckt halten
musste, konnte die eritreische Gospelsängerin Helen Berhane im vergangenen Oktober nach
Dänemark ins Asyl fliehen. Berhane weigerte sich, ihrem christlichen Glauben abzuschwören.
Aufgrund einer schweren Beinverletzung, die der jetzt Anfang 30-Jährigen in Haft zugefügt
wurde, ist sie dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen. Während ihres Aufenthaltes in
Khartum, wo die Sängerin auch auf ihre 13-jährige Tochter traf, musste sie mehrmals ihren
Aufenthaltsort wechseln. In einem kurz vor Weihnachten im Internet veröffentlichten Schreiben
dankte Helen Berhane allen, die sie durch ihre Gebete, durch Geld und Briefe unterstützt haben.
Nur durch all diese Gebete sei sie fähig gewesen, alle Prüfungen zu überleben. „Ich denke
besonders an meine Mitgefangenen", schrieb sie, „Ich weine ihretwegen jedem Tag, denn ich
kenne die Lage, in der ich sie hinterließ. Bitte betet für sie so weiter, wie ihr es für mich getan
habt."
Compass Direct