03.11.2008
Algerien: Freispruch für drei Christen
Christen sollen Islam beleidigt haben – Internationaler Druck zeigt Wirkung
Algerien: Freispruch für drei Christen
Christen sollen Islam beleidigt haben – Internationaler Druck zeigt Wirkung
ISTANBUL, 03. November 2008 - Im Nordwesten Algeriens wurden drei Christen vom Vorwurf der Beleidigung des Islams freigesprochen. Grund für die Entscheidung der Richter eines Gerichtshofes von Ain El-Turck nahe der Hafenstadt Oran, so vermuten die Freigesprochenen, sei der internationale Druck auf die algerische Regierung gewesen. Youssef Ourahmane, einer der Angeklagten, sagte gegenüber dem Informationsdienst Compass Direct, das harte Vorgehen der Regierung gegen Christen sei in der letzten Zeit abgeschwächt. „In den vergangenen vier oder fünf Monaten ist die Regierung etwas zurückgerudert“, so Ourahmane, „Ich denke, dass der Druck auf sie hoch ist, etwa nach der Verurteilung des Vorgehens der Regierung durch die USA und den Außenministerien Frankreichs, Italiens, der Schweiz, Österreich und Spanien. Die Reaktionen aus dem Ausland haben die algerische Regierung sehr in Verlegenheit gebracht.“ Ourahmane, Rachid Muhammad Essaghir und ein dritter Christ wurden im Februar 2008 wegen Beleidigung des Propheten Mohammeds angeklagt. Sie sollen zudem den ehemaligen Muslim Al-Aid bedroht haben, der behauptet hatte, zum Christentum übergetreten zu sein. Al-Aid wie auch die drei Angeklagten gehören zu einer kleinen Gemeinde aus Muslimen, die Christen wurden, in Tiaret. Die Angeklagten widersprachen den Vorwürfen. Nachdem bekannt wurde, dass Al-Aid in Verbindung mit islamistischen Fundamentalisten steht, wurde er aus der Gemeinde ausgeschlossen. Al-Aid zeigt die Christen daraufhin an. Der Staatsanwalt hatte jeweils drei Jahre Gefängnis und 50.000 Dinar (ca. 653 Euro) gefordert. Essaghir ist Gemeindeältester einer Gemeinde und steht besonders im Visier der Behörden. Im vergangenen Jahr wurde er dreimal verurteilt: einmal wegen Blasphemie und zweimal wegen Evangelisierens. Im Juni 2007 hielt die Polizei Essaghir und einen anderen Christen an, als sie mit christlicher Literatur unterwegs waren. Dafür wurden sie im November 2007 in Abwesenheit zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet je 5.000 Euro verurteilt. Eine Wiederaufnahme des Verfahrens führte später dazu, dass man die Anklagen im Juni 2008 fallen ließ. Compass Direct gegenüber sagte er: „Muslime fühlen sich von uns bedroht. Es gibt viele Menschen, die zu Christus kommen.“
Hintergrund:
Die algerische Kirche wird von der Regierung seit langem unter Druck gesetzt. Als Vorwand für Kirchenschließungen und Verhaftungen von Christen dient ein Gesetz von 2006, das die Aktivitäten nichtislamischer Religionen einschränkt und Verstöße mit Geld- und Freiheitsstrafen ahndet. So wurde die Hälfte der protestantischen Gemeinden angewiesen zu schließen. Dutzende Christen wurden von der Polizei schikaniert und mit fadenscheinigen Anklagen vor Gericht gebracht. Manche Christen warten seit Monaten auf ein Urteil. Christen vermuten, dass ein Verfassungsstreit von Präsident Bouteflika einer der Gründe ist, weshalb das Anti-Missionsgesetz jetzt in aller Härte umgesetzt wird, berichtete ein Kontaktmann von Open Doors. „Bouteflika will ein drittes Mandat erzwingen und sucht dafür die Unterstützung von radikalen Muslimen.“ In einer monatelangen Medienkampagne wurden Christen regelrecht verteufelt. Von den rund 33 Millionen Einwohner Algeriens gehört die Mehrheit dem Islam an. Von den 11.500 Christen sind die meisten ehemalige Muslime.
Compass Direct/Open Doors