05.11.2008
Deutschland: Scharia in Bayern? Heftige Kritik an Integrationsbeauftragtem
EAK-Vorsitzende Ingo Friedrich spricht von „völlig abwegiger“ Forderung
Deutschland: Scharia in Bayern? Heftige Kritik an Integrationsbeauftragtem
EAK-Vorsitzende Ingo Friedrich spricht von „völlig abwegiger“ Forderung
M ü n c h e n (idea) - 5.11.08 – Als „völlig abwegig“ hat der Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CSU, Ingo Friedrich (Gunzenhausen/Mittelfranken), die Forderung des designierten bayerischen Integrationsbeauftragten Georg Barfuß (FDP) nach teilweiser Einführung des islamischen Rechts, der Scharia, zurückgewiesen.
Dieser hatte sich in einem Zeitungsinterview dafür ausgesprochen, die Scharia in Deutschland überall dort anzuwenden, wo sie mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Laut Friedrich, der auch stellvertretender CSU-Vorsitzender und Präsidiumsmitglied des Europäischen Parlaments ist, ist solch eine Forderung mit dem deutschen Recht unvereinbar. Zur Scharia gehörten drakonische Strafen für Ehebruch und Religionswechsel, wie sie in Deutschland undenkbar seien. Die Vorstellung, man könne die Scharia in unterschiedliche Teile auflösen, sei falsch, sagte Friedrich gegenüber idea. Die Forderung des Integrationsbeauftragten diene auch nicht der Integration von Muslimen in die deutsche Gesellschaft. „Islamische Mitbürger wollen als Europäer behandelt werden“, so Friedrich.
Warum die Türkei angeblich keine Kirchen braucht
Auch die islamkritische Bürgerbewegung Pax Europa kritisiert Barfuß. Insbesondere seine Befürwortung von Moscheebauten in Deutschland stößt auf Widerspruch. Dem Bayerischen Rundfunk hatte Barfuß erklärt, viele Deutsche wollten keine Moscheen, weil die Türkei den Bau von Kirchen verbiete. Dabei werde übersehen, dass man in der Türkei keine Kirchen benötige, weil es dort keine Christen gebe. Dagegen weist die von dem Journalisten und Buchautor Udo Ulfkotte (Frankfurt am Main) gegründete Pax-Europa-Bewegung darauf hin, dass in der Türkei mehrere zehntausend Christen verschiedener Konfessionen lebten. Barfuß missachte offensichtlich den „erklärte Willen der Bevölkerung“ gegen die Ausbreitung von Moscheen.
Katholiken protestieren, Protestanten warten ab
Unterdessen hat das Landeskomitee der Katholiken gegen die Ernennung von Barfuß zum Integrationsbeauftragten protestiert. Nach Ansicht des Vorsitzenden Helmut Mangold (Senden bei Neu-Ulm) ist Barfuß dieser anspruchsvollen Aufgabe „offensichtlich nicht gewachsen“. Die evangelische Kirche hält sich zurück. Demnächst finde ein Gespräch zwischen Barfuß und dem Beauftragten der Kirche bei der Regierung des Freistaates statt, teilte der stellvertretende Pressesprecher, Kirchenrat Michael Mädler (München), idea mit. Vorher werde es keine Stellungnahme zu Barfuß’ Forderung geben.