17.10.2008

China: Unfairer Prozess gegen Mönche

Hohe Gefängnisstrafen wegen angeblicher Bombenattentate

China: Unfairer Prozess gegen Mönche

Hohe Gefängnisstrafen wegen angeblicher Bombenattentate

Gyanbe – Frankfurt am Main (17. Oktober 2008) – Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) jetzt erst erfahren hat, wurden am 23. September 2008 acht Mönche wegen angeblicher Bombenanschläge zu Haftstrafen von fünf Jahren bis lebenslänglich verurteilt. Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, die Mönche hatten keinen Kontakt zur Außenwelt und verfügten über keinerlei rechtlichen Beistand.

Die IGFM berichtet, dass die Fälle gegen die Mönche des Klosters Thangkya in Gyanbe (Gyurmey Dhondup, Kalsang Tsering, Dorjee Wangyal, Rinchen Gyaltsan, Tsewang Yeshi, Kunga Phuntsok, Tsering Nyima und Trinley Wanggyal) ohne ein faires juristisches Verfahren abgehandelt wurden. Vom Zeitpunkt ihrer Verhaftung bis zu ihrer Verurteilung war den Mönchen der Kontakt zu Angehörigen oder Freunden versagt und sie erhielten keinen Rechtsbeistand. Das Gericht teilte weder die Art der Anklagen noch die Verurteilungen der Öffentlichkeit mit. Quellen der IGFM zufolge wurden zwei der Mönche zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt – die übrigen Mönche erhielten Haftstrafen von 5 bis 15 Jahren.

Staatliche Zeitung verzögert Berichterstattung

Wie die chinesische staatliche Zeitung People’s Daily erst am 14. April berichtete (http://english.peopledaily.com.cn/90001/90776/90882/6392260.html), sollen die Mönche am 23. März 2008 ein Bombenattentat auf ein Verwaltungsgebäude der Stadt Gyanbe durchgeführt haben. Anfang April wurden 10 Mönche und ein Tibeter der Durchführung des Anschlags verdächtigt und verhaftet. Einer der Mönche wurde kurze Zeit später entlassen und von einem weiteren Mönch fehlt seitdem jede Spur. Der Tibeter Tseten befindet sich noch im Bezirksgefängnis von Gonjo und wurde bisher nicht verurteilt.

Spannungen zwischen Kloster und Behörden im Vorfeld

Schon Monate bevor die Mönche das Attentat angeblich durchgeführt haben, herrschten Spannungen zwischen dem Kloster Thangkya und der Gemeindeverwaltung von Gyanbe. Die Mönche hatten 2007 durch den Verzicht auf Fleisch ihre Solidarität mit dem Dalai Lama bekundet, woraufhin die lokalen Behörden ab November 2007 mehrere Erziehungsbrigaden in das Kloster schickten, um die Mönche zum Patriotismus zu „erziehen". Die Mönche verweigerten die Kooperation und hängten Free-Tibet-Plakate auf.

Anfang März 2008 reagierten die Behörden auf den Ungehorsam der Mönche durch die Besetzung des Klosters. Die Polizei überwachte das Kloster nun Tag und Nacht. Im Anschluss an die Explosion am 23. März wurden besonders jene Mönche verhaftet, die sich am stärksten gegen die patriotische Umerziehung gewehrt hatten, erklärt die IGFM.