27.10.2008

Deutschland: Größte Moschee in Deutschland in Anwesenheit von Kirchenleitern eröffnet

Aufruf an Muslime: Für Kirchenbauten in der Türkei einsetzen

Deutschland: Größte Moschee in Deutschland in Anwesenheit von Kirchenleitern eröffnet

Aufruf an Muslime: Für Kirchenbauten in der Türkei einsetzen

D u i s b u r g (idea) - 27.10.08 - Führende Repräsentanten aus Politik und Kirche haben die Eröffnung der größten Moschee in Deutschland begrüßt und zugleich mehr Religionsfreiheit für Christen in der Türkei angemahnt.

Das Gebäude der Ditib-Merkez-Gemeinde in Duisburg wurde am 26. Oktober nach dreieinhalbjähriger Bauzeit offiziell in Betrieb genommen. Die Moschee mit einem 34 Meter hohen Minarett bietet 1.200 Personen Platz. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (Düsseldorf) sagte, man brauche "mehr Moscheen in unserem Land, nicht in den Hinterhöfen, sondern sichtbar". Das Konzept in Duisburg-Marxloh, zu dem auch ein Begnungszentrum gehört, ziele darauf, dass die verschiedenen Kulturen und Religionen miteinander ins Gespräch kommen. Gleichzeitig warb der CDU-Politiker bei Muslimen um Unterstützung für Kirchenbauten in Kleinasien. Die Orte, an denen der Apostel Paulus die ersten christlichen Gemeinden gegründet habe, sollten als solche erkennbar werden und erlebbar bleiben, sagte Rüttgers. Zudem forderte er von Muslimen ein klares Bekenntnis zur Demokratie. Gleichzeitig erwartet Rüttgers mehr Respekt gegenüber der Religion: "Nicht jeder, der ein Fundament hat, ist ein Fundamentalist." Er habe ein Problem mit der "Gleichgültigkeit unserer Tage" und damit, wenn Glaube verspottet oder verhöhnt werde. Die Europäische Union und das Land Nordrhein-Westfalen hatten den Bau des Begegnungszentrums mit 3,2 Millionen Euro gefördert. Insgesamt kostete der Gebäudekomplex rund 7,5 Millionen Euro. Er liegt in einem Stadtteil, von denen ein Drittel der rund 18.000 Einwohner aus türkischen Zuwandererfamilien stammt. Die Moscheegemeinde in Marxloh hat etwa 740 Mitglieder. Insgesamt gibt es in der rund 496.000 Einwohner zählenden Stadt etwa 60.000 Muslime.

Präses Schneider: Kritische Stimmen nicht überhören

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider (Düsseldorf), lobte, dass in das Projekt von Anfang an Nachbarn, Kirchengemeinden, Schulen und Kindertagesstätten einbezogen worden seien. Er ging in seinem Grußwort auch auf kritische Stimmen ein, die man nicht überhören solle. So fragten Mitglieder evangelischer Kirchengemeinden: "Wie kann das denn sein, dass wir Kirchen schließen müssen, unsere Gemeinden kleiner werden und gleichzeitig große Moscheen gebaut werden?" Diesen Personen müsse man mit Sensibilität begegnen und sie "auf den gemeinsam zu gestaltenden Weg" mitnehmen. Schneider bat den Präsidenten des Amts für religiöse Angelegenheiten in der Türkei (Diyanet), Ali Bardakoglu, sowie den türkischen Botschaftsrat und Vorsitzenden der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), Sadi Arslan, in ihren Bemühungen um mehr Religionsfreiheit in der Türkei nicht nachzulassen. Vielleicht könne das Miteinander in Duisburg auch in die Türkei ausstrahlen. Zum Abschluss seiner Rede überreichte Schneider einen Goldfarbdruck der ersten Seite der Gutenberg-Bibel mit dem Schöpfungsbericht. Schließlich teile man bei allen Unterschieden "den Glauben an den einen Gott, der die Welt geschaffen hat". Auch der katholische Bischof des Ruhrbistums Essen, Felix Genn (Essen), warb bei den türkischen Vertretern, sich für die Rechte der Christen in der Türkei einzusetzen.

Gemeinschaftsinspektor: Kontakte zu Muslimen pflegen

Der Inspektor des Westdeutschen Gemeinschaftsverbandes, Friedemann Hopp (Duisburg), sagte gegenüber idea, die neue Moschee mache abermals deutlich, "mit wie vielen Muslimen wir hier zusammenleben". Der Verband wolle Christen ermutigen, gute Beziehungen zu Muslimen zu pflegen. Dazu sei es wichtig, sie in ihrer Kultur, ihren Bedürfnissen und ihrem Glauben zu verstehen. "Zu liebevollen Beziehungen gehört auch, das Evangelium von Jesus Christus in Taten und Worten zu leben und den christlichen Glauben zu bezeugen", so Hopp.

Ulfkotte: "Unseren Werten" anpassen

Gleichzeitig mit der Moschee-Eröffnung wurde in Dortmund der nordrhein-westfälische Landesverband der islamkritischen Bürgerbewegung "Pax Europa" gegründet. Er sieht sich der "Bewahrung der christlich-jüdischen Traditionen unserer europäischen Kultur" verpflichtet. Der Präsident des Verbandes, der Publizist Udo Ulfkotte (Frankfurt am Main), kritisierte in einem Zeitungsbeitrag den Bau der Großmoschee. Aus Duisburg-Marxloh hätten sich abendländische Werte weitgehend verabschiedet, so Ulfkotte in der "Welt am Sonntag". Die Imame des Bauherren DITIB würden in ihrem Heimatland unter anderem geschult, den türkischen Völkermord an bis zu 1,5 Millionen christlichen Armeniern und Chaldäern zu leugnen. "Die Politiker demokratischer Parteien scheinen das alles nicht zu wissen", schreibt Ulfkotte. Muslime müssten sich "unseren Werten" anpassen, nicht umgekehrt. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek (Köln), hielt Ulfkotte entgegen, er nehme nicht die unterschiedlichen islamischen Strömungen wahr. Die meisten Muslime verabscheuten Extremismus und muslimische Terroristen. In Ulfkottes Büchern tauchten sie jedoch "ganz überwiegend" als Straftäter, Hetzer, Schläger und Christenfresser auf. Zudem kritisierte Mazyek die jahrelange Ungleichbehandlung des Islam gegenüber anderen Religionen. Ein Grund dafür könnte "die irrationale Angst vor dem Islam sein", die von Kritikern wie Ulfkotte genährt werde.