21.04.2010
China: Kompromissbereitschaft bei Bischofsanerkennung
Ausbildung und Evangelisierung als Prioritäten
NATONG, HONGKONG, 21. April 2010 (ZENIT.org).- Mehrere aktuelle Ereignisse in der Volksrepublik <country-region w:st="on"><place w:st="on">China</place></country-region> werten Beobachter als Zeichen für eine Bereitschaft zu Zugeständnissen. Der am Mittwoch frisch geweihte chinesische Bischof Joseph Shen Bin von Haimen ist einer Meldung der Nachrichtenagentur UCA News zufolge sowohl vom Papst als auch vom Pekinger Regime anerkannt. Bei der Weihe des 40-Jährigen in der Provinz Jiangsu an der Ostküste der Volksrepublik China wirkten mit einer Ausnahme nur Bischöfe mit, hinter denen auch der Vatikan steht.
Darüber hinaus wurde jetzt ein Hirte der Untergrundkirche, Bischof Matthias Du Jiang, von den staatlichen Behörden anerkannt. Der 47-Jährige aus dem Autonomen Gebiet Guangxu im Süden Chinas war 2004 mit Billigung des Papstes zum Bischof geweiht worden. Die Zivilbehörden hatten ihn aber als Bischof bislang nicht anerkannt.
Bei Bischof Shens Weihe war Bischof Johan Fang Xinyao von Linyi in der Provinz Shandong an der chinesischen Ostküste Hauptzelebrant, die Bischöfe Francis Lu Xinping von Nanjing und Joseph Xu Honggen von Suzhou, beide aus der Provinz Jiangsu, assistierten ihm dabei. Ko-Adjutor-Bischof John Wang Renlei von Xuzhou, ebenfalls aus der Provinz Jiangsu, war als Konzelebrant der Einzige, der im Jahr 2006 nicht mit Einverständnis des Papstes geweiht worden war.
Die letzten beiden Bischofsweihen, Shens sowie die von Bischof Paul Meng Qinglu von Hohhot in der Inneren Mongolei, zusammen mit der Anwesenheit eines nicht anerkannten Bischofs bei der jüngsten Weihe, werten Beobachter als positives Zeichen für die Entwicklung der Beziehungen zwischen Rom und Peking. Während es zwischen Vatikan und dem chinesischen Regime immer noch beachtliche Auseinandersetzungen gibt, haben beide Seiten jüngst die Bereitschaft zu Realismus und Kompromissen gezeigt, um Konflikte zu vermeiden, sagten Beobachter. Immerhin waren zu Shens Weihe 30 Priester und 1.500 Laien gekommen.
Der neue Bischof sagte gegenüber UCA News, er räume der Ausbildung seiner Priester und Ordensfrauen sowie der Glaubensunterweisung der Laien oberste Priorität ein. Zudem werde seine Diözese ihre Dienste für die Bedürftigen ausbauen, sagte er. Shen wurde im Jahr 1970 in einer katholischen Familie geboren, absolvierte das nationale Priesterseminar in Peking und wurde 1996 zum Priester geweiht. Er war Gemeindepriester, bevor er im Jahr 2002 mit diözesanen Aufgaben betraut wurde. Im Jahr 1999 wurde er zum Generalvikar ernannt.
Seinen Vorgänger, Bischof Matthew Yu Chengcai, der 2006 im Alter von 89 Jahren gestorben war, hatte der Vatikan noch nicht anerkannt. Im Bistum leben derzeit rund 30.000 Katholiken, hauptsächlich Arbeiter und Bauern. Sie haben neun Priester, 21 Ordensfrauen und drei Priesteramtskandidaten. Haimen war eines der ersten Apostolischen Vikariate und der erste Bischof dort, Simon Zhu Kaimin war unter den ersten sechs chinesischen Bischöfen, die Papst Pius XI. im Jahr 1926 in Rom geweiht hat.
Ein weiteres Signal für beiderseitige Kompromissbereitschaft ist die Entscheidung der Behörden zugunsten Bischof Dus. Bislang konnte er in seiner Eigenschaft als Bischof nicht öffentlich auftreten und handeln. Zudem durfte er die Erkennungszeichen des Bischofs und das Bischofskreuz nicht tragen. Auch war ihm nicht erlaubt, Priester zu weihen. Das ändert sich nun alles mit der aktuellen Entscheidung. Mehrere Diakone haben seit Jahren die Ausbildung und die Vorbereitung auf das Priesteramt abgeschlossen.
Die Behörden hatten für den 8. April einen Gottesdienst zur offiziellen Amtseinführung von Bischof Du in der Kathedrale in Sanshenggong mit dem nicht legitimen Bischof von Kunming, Ma Yinglin, geplant, der Generalsekretär der Konferenz der Chinesischen Bischöfe und stellvertretender Präsident der Patriotischen Vereinigung ist.
Bischof Du lehnte jedoch kategorisch den Vorsitz Bischof Mas bei diesem Gottesdienst ab. „Der Bischof von Bameng bin ich", so wird Du zitiert, „entweder zelebriere ich den Gottesdienst als Hauptzelebrant oder ich gehe und werde Bauer für den Rest meines Lebens."
Nach mehrtägigen Verhandlungen, während derer kein Außenstehender Kontakt zu dem Bischof hatte, akzeptierten die Behörden, Bischof Du als Hauptzelebranten. Jedoch konzelebrierte Bischof Ma, womit Bischof Du nicht einverstanden war. Bischof Ma konzelebrierte zusammen mit den anderen Priestern, wobei er jedoch die Paramente des Bischofs trug.
Vor dem Gottesdienst wurde ein Dokument der Bischofskonferenz verlesen, das Bischof Du offiziell als Bischof von Banmeng anerkennt. In seiner Predigt erinnerte Bischof Du an seine Bindung an den Heiligen Stuhl und dankte dem Papst für seine Ernennung zum Bischof von Bameng. An dem Gottesdienst nahmen 24 Priester, 27 Ordensschwestern und rund 300 geladene Gäste teil.
Im Anschluss fand ein gemeinsames Essen mit Behördenvertretern und dem Sicherheitspersonal statt. Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen wurden damit beendet: Die ganze Stadt, sogar Internet und Telefone waren kontrolliert worden. In einem Telefonat bedauerte Bischof Du noch einmal ausdrücklich die Konzelebration des regimetreuen Bischofs Ma Yinglins.
Katholiken aus Bameng äußerten sich unterdessen positiv zu den Ereignissen. „Der Mut von Bischof Du ist beispielhaft. Wir hoffen, dass andere Bischöfe seinem Beispiel folgen werden. Wir wissen, wie diskret, schweigsam und schüchtern unser Bischof sonst ist. Offenbar war es der Heilige Geist, der ihm seine Worte eingegeben hat."
Die offizielle Anerkennung des Bischofs von Bameng ebnet den Weg für mehr Zusammenarbeit bei der Pastoralarbeit und bei der Evangelisierungstätigkeit. Wie Bischof Du selbst betont, wird er sich damit in größerem Maß der Bildungsarbeit und der Evangelisierung widmen können. (ar/mk)