18.08.2010
Irak: Christen auch in autonomer Kurdenregion bedroht
Bischofsheim (idea) – Die vor Verfolgung in den Nordirak geflohenen Christen sind dort zwar weniger gefährdet als in anderen Landesteilen; doch ist ihre Sicherheit nicht gewährleistet.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Delegation deutscher und Schweizer Kirchenvertreter, die die autonome Kurdenregion Ende Juli besucht hat. Zehntausende Christen sind in den vergangenen Jahren aus den südlichen Regionen nach Kurdistan geflohen, nachdem die dortige Regionalregierung den Minderheiten in ihrer Verfassung kulturelle und administrative Rechte gewährt hatte. In der Provinz Dohuk am Rande der Ninive-Ebene versuchen die Flüchtlinge, ein weitgehend normales Leben zu organisieren. Nach Angaben des Vorsitzenden des Ökumene-Ausschusses in der bayerischen Landessynode, Fritz Schroth (Bischofsheim/Rhön), ist die christliche Minderheit radikalen Muslimen ein Dorn im Auge. Die gute Bildung der Christen, die ihnen Vorteile auf dem Arbeitsmarkt verschaffe, sei häufig Anlass für Neidkampagnen. Die Haltung vieler unpolitischer Muslime sei zweideutig: Einerseits bezeichneten Imame den Islamismus als ihren größten Feind, andererseits weigerten sie sich aufgrund ihrer muslimischen Tradition, die einzige Frau der Kirchendelegation mit einem Handschlag zu verabschieden oder sich mit ihr fotografieren zu lassen. Einen Bombenanschlag auf christliche Studenten im Mai hätten vermutlich kurdische Muslime verübt. Dabei sei ein Mensch getötet und viele weitere verletzt worden. Die politische Unsicherheit bewirke, dass aus jedem Ort in Kurdistan eine kleine Festung geworden sei.