27.08.2010

Ägypten: Christlicher Blogger entlassen

(Open Doors) – „Es gab Zeiten im Gefängnis, in denen ich glücklich war, und ich weiß auch warum: Gott war bei mir!“ Das sagt der ägyptische Christ Hani Nazeer nach seiner Freilassung. Der heute 31-Jährige aus dem oberägyptischen Qena wurde im August 2008 verhaftet. Nur durch eine Gesetzesreform kam er vor Kurzem frei.Vor seiner Festnahme war Hani Nazeer ein engagiertes Mitglied seiner Kirche und Menschenrechtsaktivist. Er führte regelmäßig ein Internet-Tagebuch (Blog). Seine Texte befassten sich mit Menschenrechtsthemen und den Sorgen der koptischen Kirche in Ägypten. Er kritisierte aber auch die zunehmende Islamisierung der ägyptischen Zivilbevölkerung, und das gefiel nicht jedem. „Echte Probleme“ bekam Nazeer aber erst vor zwei Jahren wegen einer aus seiner Sicht harmlosen, aber am Ende für ihn verhängnisvollen Verlinkung in seinem Blog.Wütende MuslimeDort hatte der an einer Oberschule tätige Sozialarbeiter auf eine koptische Internetseite verwiesen. Die wiederum enthält einen Link zur Onlineausgabe des umstrittenen Buches „Azazils Ziege in Mekka“, einer Replik auf das Buch „Azazil“. Letzteres befasst sich kritisch mit dem Christentum und wurde in der arabischen Welt bereits mehrfach ausgezeichnet. Vor zwei Jahren nun entdeckte ein Muslim aus Qena beim Besuch von Nazeers Blog diese Verlinkung und schlug Alarm. Junge Muslime solidarisierten sich daraufhin gegen Hani Nazeer und bewarfen sein Haus mit Steinen. Drei Tage lang protestierten sie in dem Ort und beschimpften die örtlichen Christen. Nazeer versteckte sich in einem nahe gelegenen Kloster. Weil der Staatssicherheitsdienst (SSI) ihn nicht zu fassen bekam, verhaftete der SSI zwei seiner Verwandten. Hani Nazeer stellte sich und wurde auf Grundlage der Notstandsbestimmungen von 1981 fast zwei Jahre lang festgehalten. Die Bestimmungen erlauben es dem SSI, Menschen unter dem Verdacht des Terrorismus oder der Gefährdung der inneren Sicherheit ohne Anklage und auf unbestimmte Zeit festzusetzen. Erst nach einer Reform der Gesetze kam der Christ am 22. Juli dieses Jahres wieder frei. Glaube im Gefängnis gestärktIm Gefängnis saß Hani Nazeer zumeist mit Schwerverbrechern in der Zelle. Die Haftumstände in seinem Trakt waren schlimm. Wiederholt nötigten ihn Insassen, zum Islam überzutreten. Am schwersten seien die Wochen in Einzelhaft gewesen, erzählt er. Mehrmals wurde Nazeer verlegt, immer wieder durch den SSI verhört. Die Beamten unterstellten ihm, er sei in Wahrheit der Autor des umstrittenen Buches „Azazils Ziege in Mekka“. Dennoch habe die Zeit hinter Gittern seinen Glauben an Jesus gestärkt, sagt er. Er konnte an eine Bibel kommen und sprach manchmal mit zwei Häftlingen über Christus. „Ich danke Gott dafür, dass er mich und auch meine Familie durch diese Zeit getragen hat.“ Mit Hilfe von Bischof Kirollos von der Diözese Nag Hammadi hat er eine sichere Wohnung erhalten. Seine Familie sieht er jeden Tag. Trotz seiner Lebensumstände sagt er: „Ich fühle mich sicher in den Händen Gottes.“