24.06.2010

Usbekistan drängt Christen in den Untergrund

Nicht einmal das Gebet zu Hause ist ohne Genehmigung erlaubt

Usbekistan drängt Christen in den Untergrund

Nicht einmal das Gebet zu Hause ist ohne Genehmigung erlaubt

 

Von Michaela Koller

TASCHKENT/ USBEKISTAN, 24. Juni 2010 (ZENIT.org).- Christlichen Gemeinschaften im zentralasiatischen Usbekistan wird immer häufiger die Genehmigung zum Gottesdienst entzogen. Die Situation der kleinen christliche Minderheit in dem mehrheitlich muslimischen Land ist durch die weitere Einschränkung der ohnehin eng begrenzten Religionsfreiheit besorgniserregend geworden. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Forum 18 zufolge drohen saftige Bußgelder und Gefängnisstrafen, wenn religiöse Aktivitäten nicht zuvor amtlich registriert wurden. Ohne Registrierung sei religiöse Praxis nicht einmal privat zu Hause erlaubt, heißt es in dem Bericht. Aber die bestätigte Anmeldung als Religionsgemeinschaft ist äußerst schwer zu bekommen.

Von einer protestantischen Gemeinschaft wird berichtet, dass sie schon seit zehn Jahren um Anerkennung ringt. Regelmäßig werden ihre Anhänger mit Bußgeldforderungen verfolgt. Mit dem Vorgehen zwingen die Behörden die christlichen Gruppierungen in den Untergrund. Und wer eine Genehmigung hat, kann sich nicht sicher sein, ob und wann sie wieder entzogen wird.

„Mehr als ein Jahr lang hat unsere Kirche versucht die Bestätigung zu bekommen, dass die Entscheidung uns die Erlaubnis zu entziehen illegal war", sagt ein Mitglied der Zentralen Protestantischen Kirche von Samarkand gegenüber Forum 18. Angeblich sei ihr Versammlungsort nicht zur kirchlichen Nutzung vorgesehen gewesen, hieß es von offizieller Seite. Gleich mehrere Gerichte fragte die Gemeinschaft an. Wenn überhaupt eine Antwort kam, dann hieß es immer: „Das liegt nicht in unserer Kompetenz."

Ähnlich stur stellten sich andere Behörden, als Forum 18 vor Ort recherchierte. Die einzigen Antworten, die die Journalisten erhielten, waren Verweise auf andere staatliche Stellen. Selbst eine gültige Genehmigung schützt offenbar nicht vor polizeilichen Übergriffen. Am 16. Mai verhaftete die Polizei in Taschkent sechs Mitglieder der Protestantischen Kirche Christi, die daraufhin 15 Tage lang hinter Gittern saßen. Die Gemeinschaft bangt jetzt um ihre Erlaubnis sich auch nur zum Gebet versammeln zu dürfen.

Die Meldungen ereilen die Weltöffentlichkeit in einer Zeit, da die gesamte Sicherheitssituation in der Region international Besorgnis erregt. Nach schweren Unruhen an der Grenze zu Usbekistan steht Nachbar Kirgistan derzeit in den Schlagzeilen.