21.05.2010

Gemeinsame Kirchentage von Christen und Moslems?

Der Traum von Thomas De Maiziere

Gemeinsame Kirchentage von Christen und Moslems?

Der Traum von Thomas De Maiziere

(MEDRUM) Der Innenminister der Bundesrepublik Deutschland regte in der Bild am Sonntag (I have a dream 16.05.10) an, künftig gemeinsame Kirchentage für Christen und Muslime zu veranstalten. Geht dieser Vorschlag von Thomas de Maizière (CDU) bei näherem Besehen weit genug oder geht er zu weit?

Wer nicht am tieferen Sinn eines Ökumenischen Kirchentages festhalten will, kann eine Veranstaltung organisieren, wie sie Thomas de Maizière vorschwebt. Doch es gäbe einiges zu bedenken, wenn dieser Vorschlag Wirklichkeit werden sollte.

Bei seiner Idee kamen de Maizière offenbar in erster Linie Christen und Muslime in den Sinn. Er nannte nicht die Angehörigen des jüdischen Glaubens, Religionsgemeinschaften wie die Zeugen Jehovas, und nicht zuletzt bezog er auch Agnostiker und Atheisten nicht eine solche Großveranstaltung ein.  Wenn schon ein Kirchentag für Menschen veranstaltet werden soll, deren Glauben große Unterschiede und Gegensätze aufweist, sollten keine Glaubensgruppen ausgegrenzt werden. Denn der Dialog zwischen Christen und Juden oder mit Atheisten hat einen gleichermaßen wichtigen Stellenwert wie der Dialog mit den Muslimen in dieser Gesellschaft.

Es müsste zugleich nach dem Charakter einer solchen "ökumenischen" Veranstaltung gefragt werden. Soll er dem Typ einer Islam-Konferenz ähneln, bei der es schon nicht gelingt, die Geladenen wenigstens an einen Tisch zu bringen, oder soll es eine Art Wahlkampfveranstaltung sein, bei der es auf jede Stimme ankommt nach dem Motto: Hauptsache viel und bunt, einerlei woher die Stimme kommt? Es wäre dann wohl kein Kirchentag mehr, sondern allenfalls ein Tag der Offenen Tür mit der Unverbindlichkeit eines Volksfestes.

Sich begegnen und auf der Münchner Theresienwiese gemeinsam feiern? Ja. Doch Ökumenische Kirchentage sind etwas anderes und sollten es bleiben. Sie brauchen den Geist und Plätze eines gemeinsamen Glaubenszeugnisses wie den Liebfrauendom. Dabei dürfen die Zentrifugalkräfte der Versammelten nicht größer als die Kraft werden, die eine Gemeinschaft zusammenhalten kann. Aber das wird schon unter Christen schwierig, wenn Ex-Bischöfinen in Kirchen Reden halten anstatt das Wort Gottes zu verkünden, wie die "Pillen-Rede" von Margot Käßmann gezeigt hat.